17.08.2012 | 19:05 Uhr
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Beilngries anno 1781

Beilngries Beilngries (DK) Was machen Frauen gern, wenn sie sich treffen? Natürlich ratschen. Vermutlich über die Nachbarn, die Obrigkeit – und über Männer. Das ist heute so, und wer Kathl und Walli begegnet, weiß: Das galt auch im Jahr 1781.

Beilngries: Beilngries anno 1781
Aus einer anderen Zeit: Kathl und Walli erzählen vor malerischer Kulisse aus dem Leben in Beilngries vor mehr als 200 Jahren.
Die beiden wortgewandten Bewohnerinnen des mittelalterlichen Beilngries kommen durch ein Zeitfenster ins Jahr 2012 und treffen am Kirchplatz zufällig auf eine Gruppe Menschen (die nicht ganz so zufällig gerade am Startpunkt einer Stadtführung stehen). Erstaunt sehen Kathl und Walli, was es in diesem Jetzt alles gibt. Die Kirche nicht mehr am gewohnten Platz und plötzlich ein Rathaus im Oberamt des Fürstbischofs. Fast entsetzt sind sie über all das Ungewohnte, wie „stinkende Pferdekutschen mit unsichtbaren Pferden“ oder „Weiber in Beinkleidern ohne Schürzen und Hauben“.

Mal ernst, mal heiter erzählen Kathl und Walli dann, wie es zu ihrer Zeit zuging hier in Beilngries. Damals, als Baden noch ein Luxus war, den man sich nur wenige Male im Jahr leisten konnte. Damals, als sündigen Bürgern ohne Zaudern das Haupt abgeschlagen wurde. Oder damals, als die Haustür ausgehängt wurde, wenn man seine Steuern nicht bezahlen konnte.

Kathl (Susanne Holland) und Walli (Monika Treffer) haben sich ein stimmiges Konzept für ihre Stadtführung in historischen Gewändern ausgedacht. Wie in einem kleinen Theaterstück plaudern sie aus der Stadtgeschichte und verstehen es, die Zuhörer in den Bann zu ziehen. Vor allem, wenn man mit den Gebäuden und Begebenheiten in der Altmühlstadt schon etwas vertraut ist, macht es richtig Spaß, so in die Vergangenheit einzutauchen.

Schön auch der rote Faden, der sich durch das Geplaudere zieht: Kathl und Walli sind auf der Suche nach dem Türmler (Michael Treffer), der sich im Lauf der Führung immer wieder kurz zeigt und mit gekonntem Trompetenspiel unterhält. Wirklich überzeugend ist die schauspielerische Leistung der Laiendarsteller. Man glaubt Kathl ihre übergroße Freude und Erleichterung, die sie beim Anblick eines Restes der ehemaligen Stadtmauer empfindet. „Ach Walli, alles ist ja so anders hier. Aber da ist ja noch ein Stückchen Stadtmauer!“, ruft sie und drückt sich eng an den alten Stein, als möchte sie ihn umarmen. Denn: „Außerhalb der Stadtmauer, da ist schon Ausland. Und da will und darf man nicht hin, als guter Beilngrieser Bewohner.“

Am Ende finden sie natürlich ihren Türmler, nachdem sie noch über Zwiebeln und Hexen, Bettler und Schwedenkriege, trinkfeste Marktleute, die Entstehung des Namens Beilngries und vieles mehr sinniert haben.

Und dann dürfen sie auch wieder heim in ihr Jahr 1781, worüber vor allem Walli heilfroh ist, denn „diese Zeit hier jetzt, die ist mir ja so fremd“. Die Gäste hätten Kathl und Walli dagegen sicher gern noch etwas länger zugehört.

 


Von Regine Adam

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