Neugierige Blicke in Vorgärten
Dietfurt Dietfurt (kf) Was blüht denn da, wie ist die Gestaltung der Gärten, wie die Öffnung zur Straße hin? Unter diesen und vielen weiteren Gesichtspunkten hat eine Jury des Kreisverbandes für Garten und Landespflege Vorgärten und Blumenschmuck bewertet. In Dietfurt waren es sieben, in Töging fünf Gärten.
Neugierig über Gartenzäune blicken, zwischen Bäumen und Sträuchern hindurchschauen, einmal aufmerksam am Grundstück entlang gehen: Das gehörte in dieser Woche zum Pflichtprogramm von Irene Bögl, Marianne Stadler und Willy Dauscher. Die drei Jurymitglieder und die Kreisfachberaterin vom Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Neumarkt, Susanne Flach-Wittmann, waren im Landkreis unterwegs.154 Gärten aus 48 Vereinen im Landkreis haben die Fachleute in Augenschein genommen, außerdem den Blumenschmuck, und nach festgelegten Bewertungskriterien dafür Punkte vergeben. Im Oktober werden bei der Gartenjahresabschlussfeier in Freystadt die Urkunden überreicht.
Die Freude und Kompetenz sind Marianne Stadler und ihren beiden Mitstreitern in der Jury anzumerken. Auch wenn es eine Herausforderung ist. Persönliche Vorlieben bleiben außen vor, sagt Stadler. „Vieles ist einfach Geschmacksache, deswegen haben wir die Kriterien.“ Und auch die Architektur der Häuser darf sie nicht interessieren. „Es sollte jedoch ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Fachwerk mit Edelstahl gemixt ist weniger passend.“ Grundsätzlich seien die Begeisterung und die Liebe zum Garten und zum Grün jedoch überall zu spüren, sagen sie. Und es gebe immer wieder besondere Oasen, schwärmt Marianne Stadler. Das seien dann die „Ich-möchte-rein-Gärten“.
In Dietfurt werden die vier Fachleute vom Schriftführer des OGV zu den unterschiedlichen Gärten begleitet, kreuz und quer durch die Stadt. Walter Heinisch berichtet vom großen Interesse der 350 Mitglieder am Wettbewerb, der früher vor allem auf den Blumenschmuck der Häuser ausgerichtet war. „Der ist in den vergangenen Jahren weniger geworden, deswegen auch die Erweiterung auf die Vorgärten.“ Heinisch persönlich gefallen die Gärten, in denen auch ein Hausbaum steht. Eine Eberesche oder ein Obstbaum. „Das lockert das Gesamtbild auf und strukturiert gleichermaßen.“
Dem kann sich auch Susanne Flach-Wittmann anschließen. Dem Landesverband geht es um die Bepflanzung und den Blumenschmuck, ob die Pflanzenauswahl standortgerecht ist, ob es einen Übergang in die freie Landschaft gibt. „Und die Balkon- und Kübelpflanzen sollten keine Alibifunktion haben.“ Gern gesehen ist unbehandeltes Holz als Zaungestaltung, der Materialmix sollte sich in Grenzen halten. Kiesgärten, sogar mit bunten Steinen, seien einmal im Trend gewesen. Ein Negativtrend, wie die Fachfrau aus dem Landratsamt bemerkt. „Das wirkt sehr steril“, sagt Irene Bögl, und Willy Dauscher gibt zu bedenken, dass die Steine meist nicht für immer pflegeleicht bleiben. Sogenannte Gabionen sind ihnen auch ein Dorn im Auge. „Die stammen aus dem Straßenbau, sind für Böschungsbefestigungen gedacht. Und da sollten sie auch lieber bleieben.“
Üppige, liebevoll gepflegte Blumenbeete, überraschende Winkel und Ecken, Haus- und Obstbäume, sparsam gesetzte Accessoires in den Vorgärten oder außergewöhnliche Gestaltungsideen finden die Vier auch in Töging vor. Dort werden sie von Marianne Lindl vom OGV Töging/Ottmaring, die ebenfalls vom „kontinuierlichen Interesse“ am Wettbewerb bei den 250 Mitgliedern spricht, geführt. Und auch bei diesen grünen Vorzimmern hat die Jury den Blick für das große Ganze und für die Details. Wenn etwa entlang der Parkbucht der schmale Streifen noch liebevoll bepflanzt wird, wenn sich grüne Wellen ergeben. Das müsse nicht immer alles „Blüten pur“ sein, merken sie an. „Es gibt eben auch wunderschöne Grüngärten.“
Susanne Flach-Wittmann hat auch einen schönen Garten, erzählt sie. Der würde derzeit aber keinen einzigen Punkt bekommen. Die Trockenheit macht den Pflanzen zu schaffen, und sie gießt nur sparsam. Das sei aber nicht schlimm. „Je mehr man gießt, umso mehr gewöhnen sich die Blumen daran.“ Nächste Woche, so vermutet sie am Ende der Besichtigungstour noch, werden sie alle wahrscheinlich – den Blick auf grün und blühend fokussiert – weiterhin automatisch jeden Vorgarten in Augenschein nehmen.
Von Katrin Fehr
