03.08.2012 | 18:45 Uhr
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Tagebuch eines Bildhauers

Beilngries Beilngries (DK) Wer in Zukunft den Beilngrieser Abenteuerpark besucht, darf einen Blick in das Tagebuch von Kai Höppner werfen. Dieses Tagebuch liegt nicht in Papierform aus – Höppner ist Künstler, genauer Bildhauer, und jede seiner Skulpturen spiegelt einen Teil seines Lebensweges wider. Eines seiner Werke verschönert in Zukunft den Abenteuerpark.

Beilngries: Tagebuch eines Bildhauers
Meditation mit der Motorsäge: Der Bildhauer Kai Höppner ist oft so vertieft in seinem künstlerischen Gestalten, dass Zeit und Raum keine Rolle mehr spielen. Seine Skulpturen aus Holz würden einen Teil seiner Seele widerspiegeln, sagt er - Foto: rgf
Steuern lässt sich seine Kunst im Grunde nicht, davon ist Höppner überzeugt. Am Anfang steht immer die Auswahl des geeigneten Materials. Höppner arbeitet ausschließlich mit Holz, also ist er stets auf der Suche nach geeigneten Baumstämmen. Hat er einen solchen gefunden, ist dem Kunstwerk schon eine gewisse Richtung vorgegeben. „Jedes Stück Holz gibt eine Struktur vor, auf die man beim Herstellungsprozess natürlich eingeht“, führt Höppner aus.

Mit einem passenden Stamm im Gepäck geht es für ihn dann an „besondere Orte“. Er braucht Ruhe und eine passende Atmosphäre, um dem Werkstück seine Form zu entlocken.

Jetzt beginnt der Hauptteil von Höppners Schaffen. An diesen Orten taucht er ein in die Tiefen seiner Seele und blickt in den Spiegel seines Lebens. „Im Idealfall verfällt man in eine Art Versenkung, wie man sie beispielsweise aus der Meditation oder bei Ausdauersportarten kennt“, erklärt der Bildhauer.

Was in diesen Phasen an Gefühlen, Gedanken und Erlebnissen in ihm aufsteigt, lässt er einfach fließen. Er geht ohne Vorgaben und Skizzen an die Arbeit, öffnet sich ganz seiner Intuition. Zeit und Raum spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. „Die Regeln sind ganz einfach. Alles ist erlaubt“, sagt Höppner.

Eine Ausbildung zum Bildhauer hat der 32-Jährige, geboren im Schwarzwald und aufgewachsen in Kassel, nie absolviert. Er hat vieles ausprobiert und diese Form der Kunst für sich entdeckt. Wobei er sich in diesem Punkt nicht so sicher ist. Eigentlich habe die Kunst ja auch ihn gefunden. „Welch ein Glück!“

Gerade das freie Arbeiten reizt ihn an seinem Wirken. Nur auf diese Weise sieht er die Möglichkeit, seinem Inneren vollständig Ausdruck zu verleihen. Wenn er heute auf seine bisherigen Werke blickt, hat er das Gefühl, in einem Tagebuch seines Lebens zu blättern: „Wenn ich eine meiner Skulpturen ansehe, weiß ich sofort, in welcher Phase meines Lebens sie entstanden ist.“ In jedem Kunstwerk steckt ein Teil seiner Seele, so die Überzeugung des Künstlers. „Wer also eine meiner Skulpturen betrachtet, blickt zu einem gewissen Teil auch in mein Inneres“, offenbart er.

Besonders betont er die Entwicklung, der in seinen Augen das gesamte menschliche Leben und auch die Natur unterworfen sind. Entsprechend sieht er sein künstlerisches Wirken in einer ständigen Weiterentwicklung: „Jede Skulptur ist ein Unikat und daher nicht zu wiederholen.“

Vor einem Jahr hat ihn sein Lebensweg nach Beilngries geführt. Seine Frau ist hier beruflich tätig, und so hat auch er sich hier eine Werkstatt eingerichtet. Die braucht er, schließlich muss nach dem Formfindungsprozess an den ruhigen Orten noch kräftig an den Skulpturen gefeilt und gewerkelt werden. „Das ist dann die Fleißarbeit“, sagt Höppner schmunzelnd. Aber auch das gehört zu seiner Arbeit. Schließlich erzeugt es bei ihm ein besonderes Gefühl, die Skulpturen über ihren gesamten Schaffensprozess zu begleiten: Von der Art des Materials über die Formfindung bis hin zur Wahl des Werkzeugs, zur Feinarbeit und letztlich der Vermarktung.

Vor allem bei Ausstellungen in Geschäftsgebäuden, Rathäusern oder Arztpraxen präsentiert Höppner seine Skulpturen der Öffentlichkeit. Auch auf Gartenmärkten ist er vertreten. Dadurch, dass in jedem Werk ein Teil seiner Seele steckt, wird jeder Betrachter auch individuell von den Skulpturen angesprochen, so seine Beobachtung. Findet sich jemand in den Werken wieder, stehen die Kunstwerke auch zum Verkauf.

Für Interessierte bietet Höppner nach Anmeldung auch Treffen mit ihm und Besichtigungen seiner Arbeiten an. Im Internet ist er unter www.escapista.de mit einer eigenen Seite vertreten. Auf diese Weise können Kunstfreunde mit ihm in Kontakt treten.

Seinen Weg hat der Bildhauer gefunden, da ist sich Kai Höppner selbst sicher. Sein künstlerisches Wirken macht ihm schließlich unheimlich viel Spaß. Es sollen aber noch einige „Seiten“ angehängt werden an Höppners künstlerisches Tagebuch.

 


Von Fabian Rieger

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