30.07.2012 | 20:02 Uhr
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Von Olympia nach Beilngries

Beilngries Beilngries (mms) Die Nepalhilfe Beilngries hatte erstmals zwei Komitee-Mitglieder aus dem fernen Land zu Gast. Die beiden besuchten die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London, legten nun einen Zwischenstopp ein – und zogen Bilanz der Zusammenarbeit mit der Beilngrieser Organisation.

Beilngries: Von Olympia nach Beilngries
Von Olympia bis Nepalhilfe: Pressegespräch bei Kaffee und Wasser mit Michael Rebele (von links), Maria Hundsdorfer, Gautam Shrestha, Chandi Shrestha und Ralf Petschl - Foto: Meßner
Als die fünf Athleten für Nepal bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London ins Stadion eingezogen sind, hat ihnen Gautam Shrestha zugejubelt. Für seine Eintrittskarte ins Londoner Olympiastadion hat er 1050 Pfund (etwa 1345 Euro) gezahlt. Drei Tage später sitzt er mit Chandi Shrestha in einem Besprechungsraum im Beilngrieser Seniorenzentrum und lächelt bei der Erinnerung an die beeindruckende Show. „Ich hoffe natürlich auf eine Medaille“, sagt er, „habe aber so meine Zweifel“. Immerhin: Im Medaillenspiegel – Stand gestern Nachmittag – liegen Nepal und Deutschland noch gleichauf ohne Medaille.

Die Reise von London nach Beilngries hat Gautam Shrestha zusammen mit Chandi Shrestha unternommen, auf Einladung der Nepalhilfe Beilngries. Verwandt sind die beiden trotz des gleichen Nachnamens nicht. Shrestha ist in Nepal so geläufig wie Meier, Müller, Huber hierzulande.

Die erfolgreichen nepalesischen Unternehmer sitzen im Komitee, das in Nepal die Projekte des Beilngrieser Vereins überwacht und betreut. Gautam Shrestha unterstützt die Nepalhilfe bereits seit 15 Jahren und besucht regelmäßig das Kinderhaus. Derzeit leben etwa 40 bis 45 Kinder darin. Es sind Straßenkinder, Halbwaisen, sie stammen aus zerrütteten Familien und werden in dem Kinderhaus ausgebildet. Sobald sie 18 Jahre alt sind, müssen sie die Einrichtung der Nepalhilfe verlassen. Hier kommen Gautam Shrestha und Chandi Shrestha ins Spiel. Mit ihren guten Kontakten in Politik und Wirtschaft versuchen sie den jungen Erwachsenen zu helfen, sei es bei einem Arbeitsplatz oder einem Studium. Das trifft vor allem für Männer zu. „Frauen werden nach der Schulausbildung schnell verheiratet“, erzählt Michael Rebele von der Nepalhilfe.

Die Beilngrieser sind auf die Hilfe der Nepalesen angewiesen, denn als Ausländer ist es schwierig bis unmöglich, in dem Land ohne Hilfe von Einheimischen etwas aufzubauen. Die Beilngrieser haben das geschafft. Mehr noch, sie dienen als Referenz. Wenn jemand ein Kinderhaus errichten wolle, erzählt Gautam Shrestha, werde er von der Regierung an die Nepalhilfe verwiesen. „Ihr bekommt nur eine Erlaubnis, wenn ihr es auf diesem Niveau realisiert“, erzählt er. So soll laut dem Vorsitzenden Ralf Petschl verhindert werden, dass sich Organisationen nur aus Profitgründen engagieren.

Die beiden Gäste aus dem fernen Land lobten unisono das erfolgreiche Engagement der Beilngrieser. Die Gelegenheit war günstig, nun auch einmal die Nepalhilfe Beilngries zu besuchen.

Und Chandi Shrestha nutzte die Gelegenheit auch für einen Rundgang im Seniorenzentrum. Er plant nämlich, in seiner Heimat den Bau einer solchen Einrichtung. Früher, so erzählt er, seien die Menschen in den Familien alt geworden, die jüngere Generation versorgte die ältere. Doch das hat sich gewandelt. Viele jüngere Menschen gehen ins Ausland, die älteren bleiben zurück. Der Bedarf für ein Seniorenzentrum in Nepal wächst. Und Chandi Shrestha will investieren.

Der Weg der beiden führt sie weiter durch Europa. Von Beilngries aus geht es über München mit dem Zug nach Venedig, dann zurück nach Deutschland und über Holland nach Paris, von dort zurück in die Heimat – das alles in neun Tagen.

 


Von Markus Meßner

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