"Dann stech’ i den, und du schmierst"
Eichstätt Eichstätt (EK) Der Schafkopf-Boom, den Bert Lina mit seinen zunächst rein privat organisierten Kursen und Turnieren in Eichstätt losgetreten hatte, hat jetzt auch den Nachwuchs erfasst: Sein aktuelles Jugendseminar in den Ferien ist ein echter Volltreffer.
Donnerstagnachmittag im Tennisheim: 18 Kinder und Jugendliche und acht Erwachsene – meist Mamas – sitzen mit ihren Trainern an den Tischen. Es ist schon das vierte Treffen: Die Grundregeln des bayerischen Traditionsspiels sind den meisten also inzwischen bekannt.Der elfjährige Sebastian Rußer aus Erkertshofen zum Beispiel sortiert sich seine Ober, Unter und anderen Trümpfe wie ein echter Profi zusammen. „Ich hab’s schon ein bisserl vom Opa g’lernt“, erzählt er. Mit Opa und Oma spielt er auch daheim – „da können wir aber keine Sauspiele machen“, bedauert der Elfjährige im Tonfall eines echten Routiniers. Ist ja auch logisch, weil dafür braucht es vier Spieler pro Partie. Im Seminar sitzt Sebastian mit den Brüdern Ferdinand (zehn Jahre) und Dominik (zwölf Jahre) am Tisch. Die vierte im Bunde ist Gerti Pfefferle, die Mama der beiden: „Wir machen Ferien daheim, da ist das Schafkopf lernen für die ganze Familie ein Super-Angebot“, freut sich die Petersbucherin, die im Ferienprogramm des Eichstätter Kreisjugendrings auf Linas Angebot aufmerksam geworden war.
Daheim geben vor allem die Buben ihr Wissen dann sofort an den Papa weiter, der keine Zeit für den Kurs hatte: Denn alle vier sind eigentlich blutige Anfänger und karteln dann fleißig auch am heimischen Küchentisch. Deshalb passen die beiden Buben beim Seminar auch ganz besonders gut auf und profitieren davon, dass während der Seminarstunden die Kinder und Jugendlichen natürlich auch plaudern und scherzen dürfen: „Dann stech’ i den jetzt, und du schmierst“. Das lässt sich Dominik von Sebastian zum Beispiel nicht zwei Mal sagen; nur schade, dass er da gerade kein übriges As mehr auf der Hand hat – aber ein Zehner gibt auch Punkte.
Beim Zählen sind die Buben eifrig zu Gange: „Vier Laufende, wir hatten vier Laufende!“ – klar, das gibt einen Haufen „Gute“ auf der Punkteliste, da ist dann selbst das coolste Pokerface nicht mehr zu halten. Die Münzen, die auf dem Tisch liegen, täuschen allerdings: Die sind nur für den Getränkekauf gedacht – natürlich wird im Kinderseminar nicht um Geld gespielt.
Der zeitliche Einsatz, den die jungen Teilnehmer für den Kurs aufwenden, ist dagegen schon hoch: Der 14-jährige Tani Benzi zum Beispiel, der während der Schulzeit im Kinderdorf wohnt, fährt jetzt für jeden Kurstag mit dem Zug von Petershausen her – ehrenamtlich begleitet von Erzieherin Ingrid Kahl. Und als es darum ging, welche Kursmutter denn das Kuchenbacken übernimmt, da hat Tani nicht lange gefackelt: Kuchenbacken können Jungs ganz genau so.
Denn Bert Lina bietet auch beim Kinderseminar ein Gesamtpaket, bei dem das gesellige Beisammensein mit Speis und Trank nicht zu kurz kommen darf. Mal gibt’s Kuchen, mal wird gegrillt, und dann wird wieder gekartelt und zum Abschluss gibt’s sogar zwei Turniere.
So hatte es Bert Lina schon bei den Seminaren für die Erwachsenen gemacht – und auch da ist kein Ende in Sicht: Am 7. November startet der nächste Kurs mit wieder über 50 Anmeldungen und 15 ehrenamtlichen Trainern. Neben vielen Neulingen sind viele aus den früheren Kursen dabei: Und dass jeder seinen Spaß hat und gerne wieder kommt, ist für Bert Lina die schönste Bestätigung.
Von Eva Chloupek
