20.08.2012 | 18:43 Uhr
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Erinnerung an die Lausbubenzeit

Eichstätt Eichstätt (clm) Eigentlich ist es nichts besonderes: Ein Heiligengemälde auf Holz, Sankt Christophorus ist darauf abgebildet, wie er das Jesuskind auf dem Rücken trägt. Aber für Landrat Anton Knapp genügt ein Blick auf das Bild und sofort schwelgt er in Erinnerungen. „Ich habe das Bild zum Ende meiner Ministrantenausbildung bekommen. Das war 1963“, erzählt der Landrat. Der 57-Jährige war damals gerade acht Jahre alt. Jeden Tag war Knapp zur Ausbildung gegangen, obwohl Schulferien waren. Zu Mariä Himmelfahrt durfte der Achtjährige schließlich zum ersten Mal ministrieren. „Die älteren Ministranten haben aufgepasst, dass jeder Schritt sitzt, die Glocken richtig gehalten werden und wir uns richtig anziehen“, erinnert er sich. Alles lief reibungslos – und fortan stand Knapp die Tür zu einigen Abenteuern offen.

Eichstätt: Erinnerung an die Lausbubenzeit
Das Holzbild vom heiligen Christophorus hängt bei Landrat Anton Knapp zu Hause im Arbeitszimmer. Er hat es 1963 bekommen – ein Blick genügt und schon erinnert sich Knapp beispielsweise an die Taubenjagd auf dem Kirchturm. - Foto: clm
Viele schöne Stunden verbrachte der Landrat beispielsweise in luftiger Höhe. „Die Ministranten durften auf den Kirchturm“, weiß Knapp noch. „Der ist immerhin 67 Meter hoch.“ Aber die jungen Burschen genossen dort nicht einfach den Blick, der sich von der Gaimersheimer Mariä-Himmelfahrt-Kirche bot. „Da oben haben sich Tauben niedergelassen“, erzählt er. Und der Pfarrer habe doch gerne mal einen Taubenbraten gegessen.

Also machten sich die Ministranten einen Spaß daraus, die Tauben im Glockenstuhl zu fangen, damit die Pfarrköchin sie letztlich dem Geistlichen auftischen konnte.

Das Christophorus-Gemälde hat inzwischen fast 50 Jahre auf dem Buckel. Als Anton Knapp sein Elternhaus verließ, nahm er es mit. Genauso, als er mit seiner Familie in sein eigenes Haus einzog. Dort hat es inzwischen einen angestammten Platz im Arbeitszimmer. „Fotos von damals gibt es wenig“, sagt Knapp. „Sonst blättert man durch ein Album und die Fotos zeigen die Erinnerungen. Aber ich habe eben dieses Bild.“

Bei einem Blick auf das Gemälde fallen Knapp auch die Zeiten als Sternsinger ein. Zu Heilig Drei König marschierten die Gaimersheimer Ministranten durch den Ort, verkleidet als die Weisen aus dem Morgenland. Knapp übernahm mit Begeisterung die Rolle des Melchior. „Zuerst habe ich mir das Gesicht mit Creme eingeschmiert“, berichtet der Landrat. „Und dann habe ich einmal g’scheit in den Ofen hineingelangt und mir den Ruß ins Gesicht geklatscht.“ So maskiert gingen Knapp und seine Freunde von Tür zu Tür.

Damals haben die Ministranten auch häufig ihre Siebensachen gepackt und sind zwei Wochen zelten gefahren. „Da sind wir mit Sack und Pack los, haben Zelte und Schlafsäcke auf dem Fahrrad mitgenommen“, erklärt Knapp. „Auf der Bundesstraße sind wir da geradelt!“ Heute schüttelt der Landrat mit dem Kopf, inzwischen wäre eine Radtour auf der B 13 ein halsbrecherisches Unterfangen. „Wir sind dann bis zum Dohlenfelsen gefahren oder auch zum Galgenfelsen. Und für 14 Tage hat keiner von uns gehört, nicht einmal unsere Eltern.“

Zwar beendete Knapp seine Ministrantenkarriere mit 18 Jahren. Das Gemälde allerdings hält er noch immer in Ehren. „Ich habe damals viel gelernt, sehr viel Etikette und Disziplin“, sagt er. Die Zeit möchte er auf keinen Fall missen. „Es war eine gute Schule und eine nette Gemeinschaft.“




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