22.02.2012 | 19:15 Uhr
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Feucht-fröhlicher Abschied von der Session

Greding Greding (HK) Geht es nach der Zahl der Geldbeutel, die gestern im Heinrich-Herold-Brunnen am Marktplatz ins Wasser getaucht worden sind, müssten bald ähnlich Summen nach Greding fließen wie nach Griechenland. Der ursprünglich aus München stammende Brauch ist endgültig angekommen.

Greding: Feucht-fröhlicher Abschied von der Session
Seht her, mein Geldbeutel ist leer: An der traditionellen Waschung der Börsen im Wasser des Heinrich-Herold-Brunnens beteiligen sich unter anderen Mathias Herrler, Max Netter, Manfred Preischl, Herbert Eckstein, Daniela Pfaller und Alexander Hill (von rechts) - Foto: Luff
Der gewaschene Geldbeutel solle sich alsbald wieder füllen, so die Legende hinter dem Brauchtum, das bereits im 15. Jahrhundert in München urkundlich erwähnt ist. Landrat Herbert Eckstein braucht derzeit keine Unsummen, der Kreis steht gut da. Wenn dem nicht so wäre, versichert Eckstein treuherzig, „dann hätte ich meinen eigenen genommen“. So aber greift er der Stadt Greding unter die Arme – und leiht sich eigens fürs Waschen eine Börse von Bürgermeister Manfred Preischl.

Stadt- und Kreischef befinden sich in guter Gesellschaft an diesem Vormittag des Aschermittwochs. Mit Daniela I. ist die Faschingsprinzessin dabei, zudem haben Eckstein und Preischl mit Max Netter und Mathias Herrler ihre Stellvertreter im Schlepptau, außerdem sind viele Gredonia-Mitglieder und Interessierte gekommen. Für die gute Sache tauchen sie alle ihre ohnehin fast leeren Geldbeutel ins eiskalte Nass.

„3,80 Euro“ befinden sich auf dem Brunnenboden, befindet hernach der Bürgermeister mit Kennerblick, „die kommen in die Stadtkasse.“ Doch dürfte er sich grob verschätzt haben, lediglich einige Kupfermünzen und Zehn-Cent-Stücke leuchten vom Grund. Der Geldsegen lässt also noch ein Weilchen auf sich warten.

Macht fast gar nichts, in der Fastenzeit werden die Gürtel ohnehin etwas enger geschnallt. Wirklich fasten will Manfred Preischl nicht, aber er werde sich „gesundheitsbewusster ernähren als das in den letzten 14 Tagen möglich war“, sagt er. Die Askese übernimmt der Stellvertreter. Er steige allmählich ins Fasten ein, erzählt Mathias Herrler, dann seien „acht bis zehn Tage“ Heilfasten angesagt“. Nur das Rauchen könne er trotz einiger Versuche noch nicht ganz lassen. Mittlerweile sei er jedoch lediglich Gelegenheitsraucher, sagt er und grinst: „Von geschnorrten und geschenkten Zigaretten.“

Am Faschingsdienstag könnten einige Glimmstängel abgefallen sein, denn zum Endspurt hat man es in Greding noch einmal richtig krachen lassen – wie nicht nur die Besuchermassen beim Faschingszug, sondern auch die stark angegriffene Stimme von Gredonia-Präsident Alex Hill unter Beweis stellt. „Partystimmung am Faschingsdienstag“ hat er tags zuvor beim großen Umzug als Motto ausgegeben und es engagiert umgesetzt. „Es war eine großartige Session“, bilanziert Hill heiser. Die Prunksitzung sei toll verlaufen, der neue Brauchtumszug im Fackelschein durch die Altstadt sei sehr gut angekommen und der Umzug habe Highlights gesetzt. „Wir von der Gredonia sind froh und stolz“, sagt Hill.

Auch darauf, dass einige Gruppen wie der TSV oder die Kaisinger lokalpolitische Themen beim Umzug in den Vordergrund geschoben haben, sei er stolz. Vor Jahren habe er einmal darauf hingewirkt, dass das Lokale im Zug nicht zu kurz kommt, sagt Hill, seitdem ist es ein spannender Selbstläufer.

Auch der Bürgermeister spricht von einer „top Session“. Der Umzug in der Altstadt sei durch das Mitwirken der vielen Gruppen aus den Dörfern ein echter „Zug der Großgemeinde, das hat hervorragend funktioniert“. Das sonnige Wetter, ein Prinzenpaar mit Strahlkraft – für Preischl hätte es nicht besser laufen können.

Ebenso wie Daniela Pfaller, für die das Leben als Prinzessin nun vorbei ist. Matthias, der Prinz an ihrer Seite, muss schon am Aschermittwoch wieder arbeiten, doch die Gattin lässt bei einem kräftigen Biss in die Heringssemmel die Erfahrungen Revue passieren. „Es war eine superschöne Zeit“, sagt sie, „ich würde es jederzeit wieder machen.“ Und versichert für ihren Mann: „Er auch.“ Der Höhepunkt für sie sei zweifelsfrei die Fahrt im Cabrio beim Faschingsumzug gewesen, „Obwohl du nur die Hälfte mitkriegst, weil du die ganze Zeit Bonbons schmeißt“. Vom Faschingsverein fühlten sich die beiden jedenfalls so wunderbar aufgenommen und umsorgt, dass sie jetzt sogar der Gredonia beitreten wollen – ein Happy End.


Von Volker Luff

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