12.07.2012 | 19:43 Uhr
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Fast eine Katastrophe an der Haltestelle

Weichering Weichering (ziu) Ein ganzes Heer von Schutzengeln verhinderte am Mittwochmorgen eine Katastrophe an einer Bushaltestelle in Weichering. Ein 29-Jähriger aus Karlshuld war unter Alkoholeinfluss auf eine Gruppe von Schulkindern zugefahren. Diese konnten sich gerade noch in Sicherheit bringen.

Weichering: Fast eine Katastrophe an der Haltestelle
Bild: Uwe Ziegler Ein Betrunkener kam mit seinem VW-Bus von der Straße ab und steuerte in eine Gruppe von Schülern. Anschließend durchbrach er die Betonmauer.
20 bis 25 Kinder und Jugendliche warteten am Mittwoch kurz nach sieben Uhr an der Bushaltestelle unweit der katholischen Dorfkirche St. Vitus auf den Schulbus nach Neuburg. Einige von ihnen bereiteten sich für die letzten Prüfungen vor den großen Ferien vor, die meisten waren in Gespräche vertieft. Nur ein Mädchen richtete seinen Blick auf die Ingolstädter Straße. Sie bemerkte die unsichere Fahrweise eines herannahenden VW-Busses und ließ einen Schrei los.

„Spinnt der“, entfuhr es ihr – und mit diesen Worten rettete sie möglicherweise einigen Kindern das Leben. Die 13-jährige Carola riss ihren um ein Jahr jüngeren Bruder Lukas im letzten Augenblick zur Seite, und Sekundenbruchteile später krachte es hinter dem Geschwisterpaar. Ein 29-jähriger Mann aus der Nachbargemeinde Karlshuld war genau auf die Kinder zugesteuert, überrollte die Haltestelle und den dahinterliegenden Gehweg und durchbrach mit seinem VW-Bus anschließend noch eine 30 Zentimeter starke Betonmauer. Er kam mit seinem Fahrzeug in dem angrenzenden Garten zum Stehen.

Zwei Minuten danach überquerte Jacqueline Soldner mit ihrem Schulbus die Brücke über der B 16 in Richtung Weichering. „Passanten hielten mich auf und erzählten mir, was sie gerade gesehen hatten“, sagt sie. Im Schneckentempo näherte sich die mit 25 Dienstjahren sehr erfahrene Kraftfahrerin der Bushaltestelle, bemerkte das Loch an der Betonwand dahinter und schaltete die Warnblinkanlage ein. „Dann habe ich einige Passanten gefragt, ob ich die Polizei und den Rettungsdienst verständigen soll. Als das verneint wurde, habe ich mich um 'meine Kinder' gekümmert“, sagtdie in Neuburg lebende Frau. Dabei sei ihr ein etwas verstört wirkender, allem Anschein nach unter Schock stehender Junge aufgefallen. Sie ließ sich die Telefonnummer seiner Mutter geben, rief diese an und wartete, bis sie ihren Sohn abgeholt hatte. Mit zehnminütiger Verspätung fuhr der Seitz-Bus der Neuburger Jägle-Verkehrsbetriebe dann weiter Richtung Neuburg.

Was Jacqueline Soldner zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste und erst am Donnerstagnachmittag im Gespräch mit unserer Zeitung erfuhr: Die Polizei war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht informiert. „Wir wurden erst um kurz nach 8 Uhr verständigt“, sagt Andreas Huber von der Polizeiinspektion Neuburg auf Anfrage des DONAUKURIER. „Es hat mich wütend gemacht“, sagt die Mutter eines an der Bushaltestelle wartenden Kindes, „als ich eine Dreiviertelstunde nach dem Unfall erfahren habe, dass noch kein Mensch die Polizei informiert hatte, obwohl so viele Leute herumstanden“. Und noch etwas ist der Frau aus Weichering aufgefallen. Angeblich versuchte während der Blutentnahme des Unfallfahrers jemand, den noch im Garten des Eckgrundstücks stehenden VW-Bus unbemerkt zu entfernen. Dazu konnte und wollte Andreas Huber von der Neuburger Polizei keinen Kommentar abgeben. Der mit dem Fall betraute Kollege sei erst am Samstag wieder im Dienst, detaillierte Aussagen aus diesem Grund derzeit nicht möglich. Die Polizeiinspektion in Neuburg hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung unter der Telefonnummer 0 84 31 / 6 71 10.

Fakt ist, dass nur durch die geistesgegenwärtige Reaktion der Kinder eine Katastrophe verhindert wurde. Verletzt wurde niemand, einige Kinder erlitten aber einen Schock und konnten am Mittwoch nicht mehr in die Schule gehen.

Ein beim Fahrzeugführer durchgeführter Alkoholtest ergab einen Wert von 1,58 Promille. Der 29-Jährige musste sich einer Blutentnahme unterziehen, sein Führerschein wurde sichergestellt. Ihn erwartet ein Strafverfahren wegen Gefährdung des Straßenverkehrs.

 


Von Uwe Ziegler

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