Suboptimale Terminplanung
Ingolstadt Ingolstadt (sic) Bernhard Hollinger, Ingolstädter Jazzpreisträger des Jahres 2009, lebt und arbeitet seit vier Jahren in Amsterdam. Gestern Vormittag landete auf seiner Mailbox ein Anruf aus Ingolstadt mit durchaus dringender Tendenz: Er könne am kommenden Samstag nicht spielen, teilte Bernd Wölfl, Geschäftsführer von IN-City, kurzfristig mit, denn der Verein hat Hollingers Auftritt im Rahmen der Reihe „Bands IN the City“ abgesagt.

Ready to rock ’n’ roll: Gestern wurde aufgebaut, am heutigen Freitag beginnt das Taktraum-Festival auf dem Paradeplatz und im Hof des Schlosses um 15 Uhr, am Samstag geht es um 13 Uhr los. - Foto: Rössle
Die Harmonie hätte sich bei einem ungeplanten akustischen Aufeinandertreffen vermutlich in Grenzen gehalten, denn das Taktraum-Festival mit zahlreichen angesagten Bands geht im Hof des Neuen Schlosses und auf dem Paradeplatz über die Bühne. Hollinger und seine zwei Begleiter hätten vor der Thalia-Buchhandlung in der Fußgängerzone spielen sollen, also keine 200 Meter entfernt. Beginn um 13 Uhr. Genau zu der Zeit startet allerdings auch das Festival mit DJ Grüne Pflanze im Schlosshof, um 14 Uhr legt auf dem Paradeplatz die Band Wir und die Anderen los.
Am Mittwoch hatte IN-City noch einmal in einer Pressemitteilung auf das Gratiskonzert des renommierten, in Ingolstadt geborenen Bassisten aufmerksam gemacht. Gestern Mittag zog Wölfl die Notbremse; ein Ersatztermin steht noch nicht fest. „Wir wollten auf gar keinen Fall eine Konkurrenzveranstaltung zum Taktraum-Festival sein!“, sagte er dem DK. Es sei auch kein Konzert geplant gewesen, „sondern schöne Straßenmusik“. Daher wollte man nicht, dass das Trio nach einer Stunde aufhöre, wenn es auf dem Paradeplatz losgehe. Den Auftrittsort habe man nicht verschieben können, weil IN-City Thalia als Sponsor dieser Auflage von „Bands IN the City“ habe gewinnen können. Der Termin sei Anfang Juni vereinbart worden, erzählte Wölfl.
Da hingen freilich schon die Plakate für das Taktraum-Festival. Daniel Lange, Wirt des Café Tagtraum und federführender Organisator des zweitägigen Großereignisses, sieht die Sache aber ganz entspannt: „Es wäre sicher kein Problem gewesen, wenn der Bernhard vor dem Festival in der Fußgängezone gespielt hätte.“
Das findet Bernhard Hollinger auch. „Es ist schon ärgerlich!“, sagte der Musiker, nachdem er gestern von der Absage erfahren hatte. „Denn mein Gitarrist fliegt eigens aus Paris ein und meine Sängerin aus Madrid.“ Doch ganz umsonst kommen die zwei immerhin nicht. Die Musiker haben am Samstagabend in Ingolstadt nämlich noch einen zweiten Termin: auf dem Taktraum-Festival. Als Trio Luna treten sie ab 19.15 Uhr im Schlosshof auf. „Wir hätten natürlich gern mehr gespielt, denn wir drei haben nie viel Zeit für gemeinsame Auftritte“, erzählte Hollinger. „Um so mehr freuen wir uns jetzt auf das Schloss!“
Kulturelle Terminkollisionen passieren neuerdings öfter. Vor einem Jahr kamen sich ein Audi-Sommerkonzert (auf der Tilly-Wiese) und La Brass Banda (im Reduit-Tilly) in die Quere; die Band wich auf den Volksfestplatz aus. Und am 20./21. Juli konkurrieren die zwei Klassik-Open-Airs im Klenzepark mit dem Herzogsfest; zumindest ist da die Donau dazwischen.
Von Christian Silvester