17.08.2012 | 21:37 Uhr
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Nebenjob in der Grauzone

Ingolstadt Ingolstadt (DK) Der Pressesprecher des Klinikums, der aus öffentlichen Mitteln bezahlt wird, arbeitet nebenher als „Internetmarketer“. Das Problem: In vielen seiner wenig seriös wirkenden Verkaufsvideos stellt Joschi Haunsperger einen Bezug zu seinem Arbeitgeber her. Doch der sieht das entspannt.

Ingolstadt: Nebenjob in der Grauzone
„VIP-Infos zum Geldverdienen“: Der Pressesprecher des Klinikums arbeitet nebenberuflich als „Internetmarketer“ und verknüpft dabei immer wieder seinen aus öffentlichen Mitteln bezahlten Hauptberuf mit seinem Nebenjob. - Foto: Hauser
Private Label Rights – um dahinter zu steigen, wie dieses Verkaufskonzept funktioniert, haben selbst die Internetexperten der DK-Onlineredaktion ein paar Stunden gebraucht. Das Ergebnis? Siehe unten. Klar ist: Es ist undurchsichtig. Und es wirkt nicht besonders seriös. Aber, und auch das ist wichtig: Es ist legal. Joschi Haunsperger – im Hauptberuf Pressesprecher des Ingolstädter Klinikums – verkauft diese Lizenzen nebenberuflich. Das darf er: Mit seinem Arbeitgeber hat er eine Nebentätigkeit vereinbart. „Was er allerdings nicht darf, ist, einen Bezug zu seiner Arbeit als Pressesprecher herzustellen“, sagt OB Alfred Lehmann in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums. Und: Laut der Tarifvereinbarung für den Öffentlichen Dienst darf er mit seiner Nebentätigkeit keinen Imageschaden für seinen Hauptarbeitgeber verursachen.

Ein Blick in die Verkaufsvideos, die bis gestern Abend im Internet dutzendfach kursierten, offenbarte allerdings einen ganz deutlichen Bezug zu seiner Arbeit. Haunsperger steht im Anzug oder im Kapuzenpulli wahlweise in einem Kornfeld, im Wald oder lässt sich selbst auf einer Kinoleinwand umrahmt von roten Vorhängen erscheinen und sagt, dezent gesagt, sehr extrovertiert: „Mein Hauptjob ist mein Traumjob. Ich bin Pressesprecher eines der größten Krankenhäuser in Bayern, des Klinikums Ingolstadt. In diesem Job gehe ich voll auf.“ Er erklärt ausführlich, was die Aufgabe eines Pressesprechers am Klinikum ist – ein Klinikum mit 1100 Betten, 3000 Angestellten sowie fast 200 Millionen Umsatz jährlich, wie er den kaufwilligen Internetnutzern sagt. Immer wieder spricht er über seine Position: „Sie denken jetzt, schon wieder so ein windiger Internetmarketer“, sagt er. Aber so sei das nicht: „Ich bin dort Pressesprecher, Marketingchef, Onlinechef. Also ich kenne mich schon aus, was Public Relations und Öffentlichkeitsarbeit angeht.“

Die Verbindung seines Hauptberufs mit seinem Nebenerwerb wird aber noch deutlicher. „Internetmarketer, das mache ich nebenberuflich. Aber ich verbinde das natürlich auch, weil ich viele gute Ideen aus meinem Nebenjob in meinen Hauptjob, meinen Traumjob, bringen kann und viele gute Ideen aus meinem Traumjob raus ins Internetmarketing bringen kann.“

Haunsperger kann nichts Verwerfliches an seinem Nebenerwerb finden – im Gegenteil, sagt er, er tue das, um das Klinikum zu unterstützen. „Ich bin ein offener Mensch – ich könnte in den Videos auch geheim halten, dass ich am Klinikum arbeite“, sagt er auf Anfrage des DK. Und: „Das Klinikum profitiert von meinem Nebenerwerb.“ Er knüpfe Kontakte im Internetmarketing und habe so eine viel erfolgreichere Internetseite für das Klinikum erstellen können. „Wir haben damit Preise gewonnen!“, betont Haunsperger. Es sei Unsinn, dass er sich durch seine Arbeit als Pressesprecher einen Imagegewinn und damit höhere Verkaufszahlen verspreche: „Damit können Sie kaum Geld verdienen.“ Ein paar Hundert Euro seien es im Monat – „manchmal 1000“.

Die Aussage irritiert – wirbt Haunsperger doch im Internet offen mit der Hoffnung auf das große, leicht verdiente Geld: Da gibt es Videos, in denen 100-Euro-Scheine an Wäscheleinen hängen, stapelweise Geldscheine herumliegen, Zeichentrickfiguren mit Eurozeichen jonglieren, auch eine Frau im Bikini, die sich in einer Badewanne voller Geldscheine räkelt. Haunsperger dazu: „Das sind Animationen, das ist Spaß – so habe ich das nie gemeint!“

Der Aufsichtsrat des Klinikums zeigt sich irritiert über diese Form des Nebenerwerbs des Pressesprechers. „Ich wusste davon nichts“, sagt Vorsitzender Lehmann, als der DK ihn nach den Verkaufsvideos fragt. „Aber Genehmigungen von Nebenerwerbstätigkeiten sind auch nicht aufsichtsratspflichtig.“ Eigenartig sei das aber schon, wenn er da einen Bezug zum Klinikum herstelle.

Thomas Thöne (SPD), Mitglied des Aufsichtsrats, findet deutlichere Worte: „Ich bin völlig irritiert“, sagt er, nachdem er das Video auf die Bitte des DK hin angesehen hat. „Ich weiß nach dem ersten Anschauen überhaupt nicht, ob es sich dabei um einen amerikanischen Prediger oder einen Hamburger Marktschreier handelt.“ Es sei nun Sache der Geschäftsführung, zu entscheiden, „wie sich dieser Auftritt mit der Seriosität eines Pressesprechers vereinbaren“ lasse.

Doch der Geschäftsführer des Klinikums, Heribert Fastenmeier, sieht kein großes Problem in dem Nebenerwerb seines Pressesprechers. Mit Lehmann und Thöne hat er eins gemeinsam: Auch er sagt, er habe bisher noch keins der Videos gesehen. „Ich weiß nur, dass er im Internetmarketing tätig ist“, sagt er. „Das ist seine Nebentätigkeit, die ist genehmigt – das machen viele unserer Angestellten – und das hat ja auch nichts mit dem Klinikum zu tun.“ Auch Fastenmeier sieht sich die Videos auf Bitten des DK an. „Sagen wir es mal so: Ich fand sie eigenartig“, sagt er danach. Aber für problematisch halte er sie nicht. „Sie sind ungeschickt. Ich habe ihn gebeten, sie zu entfernen und künftig solche Verbindungen nicht mehr entstehen zu lassen.“

Haunsperger will seinen Nebenerwerb nun aufgeben. Das hängt auch damit zusammen, dass sich auf der Internetseite BINGO bereits ein Arbeitskollege (wie er vermutet) anonym über seine Videos lustig gemacht hat und unter den Kollegen im Klinikum einige E-Mails kursiert sind. „Das tut weh“, erzählt er. „Ich werde mein Gewerbe abmelden“, sagt er und räumt ein: „Vielleicht sind manche der Zitate unglücklich gewählt. Aber ich würde nie etwas tun, um das Klinikum in Misskredit zu bringen.“ Gestern Abend wurden die meisten der Videos aus dem Netz genommen.

 


Von Katja Tölle

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