17.08.2012 | 22:06 Uhr
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Dem gelobten Land schon recht nah

Ingolstadt Ingolstadt (DK) Im Südwesten greift das Stadtgebiet schon ein bisschen in den ländlichen Raum aus: Knoglersfreude und Hundszell gehören zum Bezirk V, auch dessen Kern – Haunwöhr – lässt noch erahnen, dass hier ein Dorf zu städtischer Größe gereift ist. Wohl deshalb schätzen viele am Südwesten vor allem die Ruhe.

Ingolstadt: Dem gelobten Land schon recht nah
Familienidyll Südwest: Die Kinder können sich großräumig austoben (hier im Sportpark Peyerl), und wer nicht gerade an der Haunwöhrer oder Schrobenhausener Straße wohnt, hat seine Ruhe. Kein Wunder, dass ein Quadratmeter Land bis zu 500 Euro kostet. Arch - foto: Rössle
Er gilt als „gute Gegend“, der Südwesten. Was immer das genau heißen mag. Mit Sicherheit liefern die deftigen Preise für das rare Bauland (bis zu 500 Euro je Quadratmeter sind leicht drin) einen Hinweis auf das hohe Renommee dieses Viertels. Wer in Haunwöhr oder drum herum siedeln möchte, muss ordentlich was auf den Tisch legen. Doch das scheint der Preis dafür zu sein, was die Bewohner am Südwesten am meisten rühmen: Ruhe, Ordnung und Beschaulichkeit in einer vergleichsweise schönen Umgebung.

Von Industrie ist hier nichts zu sehen, sogar kaum etwas zu erahnen. Keine Raffinerie, kein Großgewerbe, und auch Audi ist fern. Doch der ausgeprägte Bezug zum Werk ist dafür jeden Tag auf der Haunwöhrer Straße zu besichtigen, wo sich Autokolonnen Richtung Norden wälzen. Am Rande: Auch der Audi-Chef wohnt in Haunwöhr.

Neben dieser Hauptachse, die vor zwei Jahren komplett saniert und mit Flüsterasphalt bedeckt worden ist, hält sich die Verkehrsbelastung in Grenzen. Sicher: Auf der Schrobenhausener Straße ist einiges los (vielleicht auch, weil sie noch tiefer in den Süden führt), sonst aber ist der Südwesten stark von Gemütlichkeit geprägt, zumal im Vergleich mit den meisten anderen stadtnahen Bezirken; ein weiterer Hinweis darauf, wo der verbreitete Ruf der „guten Gegend“ herkommt. Nicht zu vergessen: Einer der reizvollsten Radwege weit und breit führt direkt ins Herz des Bezirks: der vom Brückenkopf an der Donau entlang; das passt ins Bild. „Zehn Minuten in die Stadt und drei Schritte in die Natur“, so bringt ein glücklicher Wahl-Südwester die geografischen Vorzüge seines Wohnorts auf den Punkt.

Der Reiz hat auch historische Gründe. Noch auf Straßenkarten und Fotos aus den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist gut zu erkennen, dass Ingolstadt südlich der Donau spärlich und streuartig besiedelt war. Dörfer, Weiler, dazu zaghafte Ansätze urbaner Bebauung rund um den Hauptbahnhof (der indes nicht im Bezirk Südwest liegt) und das alte Haunwöhr, das seit dem 19. Jahrhundert (mit Hundszell) zur Gemeinde Unsernherrn gehörte, die sich wiederum 1962 der Stadt anschloss. Mit der wirtschaftlichen Blüte Ingolstadts stieg hier die Eigenheimdichte. Schon vor 40 Jahren galt: Wer auf sich hielt und es sich leisten konnte, baute ein Haus im Süden.

Diese Entwicklungsgeschichte spiegelt sich in der städtischen Statistik wider: Mit 10 724 Bürgern (Stand 31. Dezember 2011) liegt der Bezirk Südwest im Mittelfeld. 10 116 von ihnen besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft; auch das charakterisiert das Viertel. Vor 25 Jahren lebten hier noch 7524 Bürger, seitdem hat die Bevölkerung um 36 Prozent zugelegt; auch ein Mittelfeldplatz. Der Anteil der unter 18-Jährigen nähert sich mit 17,7 Prozent (zum Vergleich: Etting 22,2 und Mitte 12,7) dem Stadtdurchschnitt von 16,8 Prozent. 20,5 Prozent der Südwest-Bürger sind älter als 65. Hier liegt der Ingolstädter Schnitt bei 18,5.

Der Bezirk Südwest misst 646 Hektar, ist also nicht mal halb so groß wie der Bezirk Südost. Mit 1480 Einwohnern je Quadratkilometer (gegenüber 1101, um beim Vergleichsbeispiel Südost zu bleiben) ist er jedoch dichter besiedelt. Der Schanzer Schnitt beträgt hier 886 Einwohner. Es erscheint fast müßig zu erwähnen, dass auch die Arbeitslosigkeit und die Zahl der ALG-II-Bezieher nahezu traditionell statistische Tiefpunkte erreichen.

Bei so viel Solidität und Beschaulichkeit wundert es nicht, dass die Bezirksausschussvorsitzende Walburga Majehrke aus der Lechermannstraße bekennt: „Ich liebe unseren Südwesten!“

Zuletzt hat sich der Problemdruck in Grenzen gehalten. Die Öffnung der Hagauer Straße für Laster konnte verhindert werden; demnächst wird sie saniert. Die Proteste gegen einen neuen Kindergarten auf dem Gelände der Grundschule Haunwöhr haben sich gleichwohl in Harmonie aufgelöst. Die nötige Sanierung des Kindergartens St. Marien Hundszell führte im vorigen Jahr zu Debatten, jetzt haben sich die Gemüter beruhigt, und die Hoffnung wächst, dass bald mal was vorwärtsgeht. Ein geselliges Defizit kennt man hier auch: „Es gibt keinen gescheiten Veranstaltungsraum.“

Die Park- und Verkehrssituation in der Hans-Böckler-Straße rückt oft in den Fokus des BZA. Auch die Pläne für neue Stellflächen an der Spitalhofstraße (für weggefallene am Schulzentrum, das bis 2017 größtenteils neu entsteht) provozieren Ärger. An Konfliktpotenzial besteht also kein Mangel. Nicht mal im sonst so ruhigen Südwesten.

 


Von Christian Silvester
 
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