20.08.2012 | 20:30 Uhr
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Schaufenster ins Nichts

Ingolstadt Ingolstadt (dk) Es wirkt fast so wie Ausverkauf: In der Innenstadt stehen zurzeit knapp 50 Läden und Häuser leer. „Ein Trauerspiel“, sagt Altstadtbewohnerin Gerda Büttner, die alle Fotos geschossen hat, die wir auf dieser Seite zeigen. Bei IN-City heißt es: „Wir sind am Ball.“

Es: Schaufenster ins Nichts
 
Jeder, der mit offenen Augen durch die Stadtmitte geht, sieht die vielen leeren Schaufenster und toten Fassaden. So wie Gerda Büttner hat zufällig auch Arthur Korndörfer von der Aktion Innenstadt die aktuellen Leerstände fotografiert und die Bilder ins soziale Netzwerk Facebook gestellt. „Das ist nirgends so drastisch wie in Ingolstadt“, meint Korndörfer, der Ingolstadt mit Städten wie Straubing oder Bamberg vergleicht. „Dort gibt es ein schönes Geschäft neben dem anderen. Warum nicht bei uns“


zur Diashow Leerstände in Ingolstadt

Das fragt sich auch Gerda Büttner, ehemalige Stadträtin, die seit vier Jahren in der Altstadt lebt. „Als ich herkam, machten als Erstes die Altstadtkinos zu, dann der Woolworth und der Bioladen an der Ecke.“ Büttner vermisst Geschäfte mit Waren für den alltäglichen Bedarf. „Aber selbst bei Damenmode gibt es kaum Auswahl – mal abgesehen vom Xaver Mayr und Kaufhof. Dafür immer mehr Läden nahe am Ramsch.“ Ihr Urteil: „Die Stadt ist nicht mehr attraktiv.“

Dabei müsste Ingolstadt mit seinem Potenzial an Kaufkraft doch etwas bieten, meint Büttner, die nicht als „Nestbeschmutzerin“ gelten will. Im Gegenteil: „Ich mag die Stadt. Ich will eben nicht in München oder Nürnberg einkaufen, sondern hier bei uns.“ Arthur Korndörfer sagt ganz richtig: „Wo keine attraktiven Geschäfte sind, da kommen auch keine Besucher.“

Sind vielleicht die Mietvorstellungen der Hausbesitzer ein Grund für die Leerstände? Das fragt sich Gerda Büttner und appelliert an die Eigentümer, auch mal mit dem Preis runter zugehen und jungen Existenzgründern eine Chance zu geben. Alois Finkenzeller von der Aktion Innenstadt vermutet ebenfalls, die Mieten seien Teil der Misere. „Denn sogar Läden in schöner Lage stehen leer.“ Fest steht für den Aktivisten auch: „Der Mix stimmt hinten und vorne nicht. Im Zentrum fehlt der Esprit – und in der Peripherie boomt’s.“

Thomas Deiser, Vorsitzender von IN-City, kennt diese Vorwürfe zur Genüge. „Ich gräme mich auch über jeden Leerstand. Aber wir gehen es an, wir sind am Ball und stehen in Kontakt mit Immobilienentwicklern.“ Der Innenstadtverein bekommt von der Stadt alle Daten von Leerständen (sofern die Hausbesitzer einverstanden sind) und vermittelt bei Anfragen von Mietinteressenten. Von den aufgelisteten knapp 50 Leerständen könne man acht bis zehn abziehen, so Deiser. „Da sind die Verträge schon in trockenen Tüchern.“ Beispielsweise zieht Witt Weiden um in die Ludwigstraße, in die Räume von Jack Wolfskin, der ebenfalls den Laden wechselt. Dafür entsteht in der Mauthstraße das neue Servicezentrum der großen städtischen Tochtergesellschaften. Die übliche Fluktuation sagt Deiser.

Mindestens zehn Läden seien schlicht nicht vermietbar und müssten saniert werden, erklärt der Vorsitzende von IN-City. Wenn der Eigentümer das nicht leisten kann, kommt ein Kaufangebot von der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft. Deiser: „Bleiben noch etwa 30 Objekte übrig. Das entspricht der normalen Leerstandsquote von fünf bis zehn Prozent.“

Und die wirkt auch regulierend auf die Mietpreise. Die liegen nach Auskunft von Deiser in 1a-Lagen wie in der Ludwigstraße bei 70 bis 100 Euro pro Quadratmeter. „In der Ziegelbräustraße sind wir bei etwa 18 Euro, in der Harderstraße im inneren Bereich bei 14 Euro.“

Nicht zufrieden ist auch Thomas Deiser mit dem Branchenmix. „Wir bekommen kein Zugpferd, weil das entsprechende Publikum nicht da ist, und das Publikum kommt nicht, weil ein Zugpferd fehlt. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Aber da sind wir in zwei bis drei Jahren deutlich besser aufgestellt, wenn die Ankerbetriebe wie Edeka im Theresiencenter da sind.“


 


Von Suzanne Schattenhofer

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