16.08.2012 | 18:53 Uhr
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"Die Stimme spielt überall rein"

Neuburg Neuburg (DK) Voller Elan wirbelt eine kleine Frau durch den Raum im dritten Stock der Volkshochschule. Während um sie herum musiziert und gesungen wird, schnipst sie ihre Finger und gibt rhythmische Zischlaute von sich. Die Schweizerin Nika Zach ist von Montag bis Samstag zu Gast in Neuburg, um Jazzgesang an der Sommerakademie zu unterrichten.

Neuburg: "Die Stimme spielt überall rein"
Feinabstimmung in der Volkshochschule: Nika Zach gab gestern ihren Kursteilnehmern letzte Tipps. - Foto: Schanz
Mit Jessica Roch sprach sie darüber, warum Gesang wichtig für die Persönlichkeit ist und wie man ihn richtig lernt.

 

Wie sind Sie zum Singen gekommen?

Nika Zach: Ich habe von klein auf gesungen. Meine Familie ist musikinteressiert und mein Vater ist Jazzliebhaber. Später habe ich in der Band gesungen, in der mein Vater Trompete spielte. Als ich dann mit 15 Jahren zum ersten Mal auf der Bühne stand, beschloss ich, Stunden zu nehmen. Schließlich bin ich nach Linz und habe dort Jazzgesang studiert.

 

Ab wann war klar, dass Sie das beruflich machen wollen?

Zach: Das habe ich eigentlich nicht wirklich geplant. Ich habe es studiert, war auf der Bühne und habe langsam mein Geld damit verdient. Beschließen kann man das nicht – es hat viel mit Zufall und Glück zu tun. Man muss die richtigen Leute kennenlernen.

 

Was macht den Jazzgesang besonders?

Zach: Ich finde, die Stimme beim Jazzgesang bleibt sehr nah an der eigentlichen Sprechstimme, am charakteristischen Stimmklang. Man hat keine fixen Klangvorstellungen, es ist ein sehr freier Gesang. Viele Nuancen und Farben lassen sich einbringen. Der Sänger hat mehr rhythmische und harmonische Freiheiten.

 

Was hat Gesang für Sie mit dem richtigen Körperbewusstsein zu tun?

Zach: Sehr viel. So, wie ein Instrument seinen Korpus zum Klingen hat, nutzen die Sänger ihren Körper. Wichtig ist, dass man den Atem fließen lässt und sich nicht verkrampft, sondern körperlich entspannt.

Muss ein Laie Entspannungsübungen machen, damit er richtig singen kann?

Zach: Gewisse Spannungszustände müssen im Körper schon herrschen. Aber es gibt bestimmte Stellen, etwa um die Kehle, wo man entspannt sein sollte. Doch leider hat man gerade im Nacken und Schulterbereich oft viele Verspannungen.

 

Hat ein Anfänger denn genug Atem, um ein Stück ganz singen zu können?

Zach: Da der Jazz nahe an der Sprache ist, kann man schon kürzere Phrasen machen und immer wieder Luft holen. Wer aber längere Phrasen singen will, kommt schnell an seine Grenze. Um den Atem eines ausgebildeten Sängers zu haben, muss man viel üben.

 

Wie kann einem der Gesang bei der persönlichen Entwicklung helfen?

Zach: Man muss sich beim Singen mit all seinen Verspannungen auseinandersetzen – körperlich wie seelisch. Ich denke, mit Gesang kann man viel auf emotionaler Ebene lösen. Die Stimme ist etwas sehr Persönliches. Sie spiegelt wieder, wie es jemandem geht. Wenn ich mich schlecht fühle, habe ich keine volle Stimme. Sie ist zittrig und leise. Fühle ich mich aber gut, fülle ich den Raum. Stimme und Persönlichkeit liegen nah beieinander. Körperbewusstsein, Auftreten: Die Stimme spielt da überall mit rein.

 

Hilft Gesang auch dabei, selbstbewusster zu werden?

Zach: Ja, davon bin ich überzeugt. Singen macht selbstbewusster.

 

Kann denn jeder singen?

Zach: Jeder Mensch kann das. Die Frage ist, was man singen will und ob man richtig singen will. Das ist schon komplexer. Es geht um richtiges Hören. Und es geht darum, ob man in der Lage ist, seinen Stimmapparat zu lenken.

 

Man braucht also gewisse Voraussetzungen?

Zach: Wer es beruflich machen will schon. Jedoch kann jeder zu einem gewissen Grad richtig singen lernen. Aber natürlich ist es um einiges leichter, wenn es einfach von selbst geht.

 


Donaukurier

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