Flutpolder besteht bislang nur auf dem Papier
Neuburg Neuburg (DK) Das Projekt ist riesig, das Verfahren kompliziert und die Einwendungen zahlreich. Deshalb gibt es den Flutpolder Riedensheim bis dato nur auf dem Papier. Die Regierung arbeitet an einem Planfeststellungsbeschluss, das Wasserwirtschaftsamt steht als Bauherr in den Startlöchern.
Neuburg (kpf) Das Projekt ist riesig, das Verfahren kompliziert und die Einwendungen zahlreich. Deshalb gibt es den Flutpolder Riedensheim bis dato nur auf dem Papier. Die Regierung arbeitet an einem Planfeststellungsbeschluss, das Wasserwirtschaftsamt steht als Bauherr in den Startlöchern.Der geplante Polder ist als Hochwasserschutz der Extraklasse gedacht. Auf 220 Hektar Fläche sollen bei einem hundertjährlichen Hochwasser maximal 8,3 Millionen Kubikmeter zwischengeparkt werden, um dem Hochwasser die Spitze zu nehmen und die Unterlieger wie die Stadt Neuburg zu schützen. Tritt der Ernstfall ein, werden bis zu 164 Kubikmeter Donauwasser pro Sekunde in den Talbereich zu Füßen Riedensheims zwischen Finkenstein und Antoniberg fließen und landwirtschaftliche Flächen überschwemmen.
Die Unterlieger profitieren davon mit einem 35 Zentimeter niedrigeren Wasserpegel, haben Ingenieure ausgerechnet.
Das ist einer der Streitpunkte, weil die Landwirte die Hauptlast zu tragen haben. Der Freistaat war indes nicht untätig und hat bislang etwa die Hälfte der Polderfläche aufgekauft. Und geflutet werden soll ohnehin nur bei hundertjährlichem Hochwasser. Nachdem es sich um einen gesteuerten Polder handelt, wird das Wasser nach wenigen Tagen über ein Auslassbauwerk wieder in die Donau zurückkehren. Die Verweildauer sei zu hoch, schade Flora und Fauna, argumentiert der Bund Naturschutz.
Auf Seiten der Landwirte ist man von einem Polder nicht begeistert. Ludwig Bayer, BBV-Kreisobmann, Gemeinderat in Rennertshofen und mit mehr als 20 Hektar vom Polderbau direkt betroffen, hofft, dass der Freistaat die von ihm aufgekauften Flächen den Landwirten wieder verpachtet und nicht zu viel für den Naturschutz bereitstellt und damit aus der Produktion nimmt. „Wir können uns aufgrund unserer besonderen Situation auf drei Seiten nicht ausdehnen. Nur im Westen, und dort ist der Flächenmarkt begrenzt“, sagt Bayer. Er lässt offen, ob die Landwirte rechtliche Schritte gegen die Planung unternehmen werden. „Das kann ich nicht bestätigen und nicht dementieren. Wir sehen uns erst den Planfeststellungsbeschluss an“, erklärt Bayer.
Die Meinungen wurden bei einer öffentlichen Anhörung ausgetauscht, bei der Regierung von Oberbayern liegen rund 65 Einwendungen und Stellungnahmen vor, die derzeit geprüft werden. „Das ist bei einem so komplexen und mit schwierigen Fragestellungen verbundenen Vorhaben wie dem Flutpolder Riedensheim sehr zeitaufwendig“, sagt Ines Schantz, Sprecherin der Regierung von Oberbayern. „Nachdem es sich um ein laufendes Verfahren handelt und noch diverse Fragestellungen offen sind, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Termin für den Planfeststellungsbeschluss benennen“, teilt Schantz auf Anfrage mit.
Holger Pharion, Abteilungsleiter beim Wasserwirtschaftsamt und für den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen zuständig, rechnet damit, den Planfeststellungsbeschluss noch in diesem Jahr in Händen zu halten. Danach könne es an die Detailplanung gehen. Eine europaweite Ausschreibung des auf 30 Millionen Euro geschätzten Projektes ist außerdem notwendig. Baubeginn werde frühestens im Frühjahr 2013 sein, sofern die Gelder zur Verfügung stehen. Im Sommer oder Herbst 2013 könnte der Polder dann nach Pharions Schätzung fertig sein. Finanziert wird er zu 100 Prozent vom Freistaat.
Von K. P. Frank
