In der Laterne sind die Lichter aus
Neuburg Neuburg (DK) Fünf Jahre lang hat Irene Kahler an der Laterne festgehalten. Hat Kapital und Altersversorgung in das Lokal gesteckt. Am 31. Januar musste sie aus finanziellen Gründen schließen. Was bleibt, ist die große Enttäuschung und Kritik an der Stadtverwaltung.

„Zum Leben hat’s nicht gereicht“: Ramona Kahler, die gemeinsam mit ihrer Mutter die „Laterne“ in der oberen Altstadt betrieben hat, räumt das Lokal aus. Seit Ende Januar ist Schluss - Foto: Frank
Ein Vorwurf, den OB Bernhard Gmehling nicht ganz versteht. Er war mehrfach in der Laterne, auch mit Gästen der Stadt, und „ich war auch immer zufrieden“, versichert er. Aber was solle er als OB tun? „Ich würde ja gerne helfen, wenn ich kann.“
Nachdem nun auch in der Laterne die Küche kalt bleibt, schreitet die gastronomische Verödung der Oberen Altstadt voran. Das Da Capo ist seit gut einem halben Jahr geschlossen, auch wenn sich laut Gmehling derzeit wieder ein Hoffnungsschimmer abzeichnet, mit einem neuen Pächter zu starten. Das Altstadtcafé hat ebenfalls dichtgemacht.
Woran liegt es? „Die Touristen kommen ’rauf, schauen sich die schönen Häuser an und gehen wieder in die Untere Altstadt“, hat Irene Kahler beobachtet. Die Stadt mache Werbung für die Lokale unten, nicht für die oben. „Da unten ist das Leben, hier oben ist nur der Schein“, bedauert die gelernte Hotelfachfrau. Den Wirten in der historischen Altstadt werden nach Ansicht der beiden Frauen sogar noch Steine in den Weg gelegt. Als neulich der Bayerische Rundfunk zur Aufzeichnung von „Jetzt red i – Europa“ im Kongregationssaal war, sperrte die Stadtverwaltung die Zufahrt zur Oberen Stadt – und damit auch zu den Lokalen. „Hier war alles frei“, zeigt Ramona Kahler ihr Unverständnis für diese rigide Verkehrspolitik. Ihnen werde auf diese Weise die Kundschaft ausgesperrt. Und auf die sei man angewiesen. Vor allem im Sommer müssen sich die Wirte ein finanzielles Polster schaffen, denn „im Winter kommen keine Leute“, stellt Irene Kahler fest.
Auch in diesem Punkt stimmte der Oberbürgermeister nicht zu. „Wir machen wahnsinnig viele Veranstaltungen von der Stadt aus und bringen Leute hier rauf. Wir haben ein tolles Angebot“, betont Gmehling. Gesperrt werde die Obere Altstadt vielleicht drei oder vier Mal im Jahr. Allein daran könne es nicht liegen. Der Rathauschef sitzt de facto zwischen den Stühlen. Die Altstadtbewohner wollen keine fremden Fahrzeuge, die ihnen die Parkplätze wegnehmen. Die Wirte wiederum haben ein vitales Interesse an mehr Frequenz im historischen Herzen der Stadt.
Haben die Kahlers selbst Fehler gemacht? „Vielleicht war ich zu blauäugig“, sagt Mutter Irene. Als sie sich das Lokal zum ersten Mal angesehen hat, war Sommer und die Altstadt belebter. An Küche und Service kann es nach Ansicht der beiden Frauen nicht gelegen haben. „Wir haben nur positive Resonanz gehabt“, versichert Ramona Kahler. Man habe Gäste aus Regensburg und Augsburg bewirtet. Ein renommierter Gastronom aus München haben ihnen bestätigt, dass die Speisekarte passt, die Gäste hätten die Küche gelobt. Aber es waren halt zu wenige. Das Restaurant ist geschlossen, Mutter und Tochter räumen aus, verkaufen die reichhaltige Ausstattung und bedauern, dass der ganze persönliche Einsatz nichts genutzt hat.
Dass die Laterne schließt, ist nicht im Interesse des Oberbürgermeisters. „Wir brauchen dringendst Gastronomie in der Altstadt“, betont Gmehling. Weshalb es gerade dort ein wirtschaftlich so schwieriges Terrain ist, kann sich der OB auch nicht erklären.
Von K. P. Frank
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