22.02.2012 | 19:16 Uhr
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Tonne, Sack – oder was?

Neuburg Neuburg (kpf) Am 16. Januar stellte das Duale System Deutschland (DSD) die Abfalldiskussion im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen auf den Kopf. Die Offerte, die Gelbe Tonne für Leichtverpackungen flächendeckend und natürlich kostenlos im Landkreis zu verteilen, entpuppte sich als Störfeuer im jahrelangen Ringen, wie es mit der Abfallwirtschaft weitergehen solle.

Neuburg: Tonne, Sack – oder was?
Ein Berg von Wertstoffen. Noch bringen die Bürger im Landkreis das Material auf die Wertstoffhöfe. Wandert es künftig in die Gelbe Tonne? Die Kreisräte müssen rasch entscheiden - Foto: Schanz
Nun müssen die Kreisräte bis Mitte März entscheiden, ob sie die Gelbe Tonne wollen, ob ein Gelber Sack im Bringsystem eingeführt werden oder das bisherige Wertstoffhofsystem beibehalten werden soll. In den Fraktionen grübelt man, was wohl klüger ist und wofür man am 1. März im Werkausschuss die Hand heben soll.

Die Sozialdemokraten haben sich bereits positioniert. „Der Wertstoffsack im Bringsystem wäre für uns noch machbar“, sagt Fraktionschef Anton Krammer. Der wäre „noch überschaubar und man hätte sehr hohe Verwertungsquoten“. Außerdem könnte der Kreis für das Einsammeln Geld kassieren. „Mit der Gelben Tonne kriegen wir null – und deshalb ist sie auch nicht kostenlos. Unsere Fraktion wird der Tonne nicht zustimmen“, betont Krammer.

Karola Schwarz von den Bündnisgrünen sieht das genauso. „Die Gelbe Tonne wäre keine gute Lösung. Wir hätten dann Einnahmeausfälle und die Folge wäre eine Gebührenerhöhung. Das DSD versucht, sich den Zugriff auf die wertstoffhaltigen Stoffe zu sichern“, vermutet Schwarz, denn ab 2015 soll aus der Tonne für Leichtverpackungen eine erweiterte Wertstofftonne auch für andere Materialien wie Metall werden.

Für die Freien Demokraten gibt es nicht viel zu diskutieren. „Entweder den Gelben Sack, der vor der Haustüre abgeholt wird, oder die Gelbe Tonne“, erklärt Bettina Häring die Marschrichtung, der sich in der Ausschussgemeinschaft auch Josef Dietenhauser von der DU anschließe.

Bei den Freien Wählern, der Partei des Landrates, ist man noch zu keinem Entschluss gekommen. Am kommenden Mittwoch will die Fraktion das brisante Thema final diskutieren. Sprecher Hans Scholz sieht sich vor einer schweren Entscheidung. Wenn man wüsste, wie es mit dem Abfallwirtschaftsgesetz weitergeht, wäre es seiner Ansicht nach einfacher. Die FW wollen die Abfall- und Wertstoffentsorgung einerseits bürgerfreundlich und ökonomisch zugleich organisieren, ohne ökologische Aspekte zu vernachlässigen, andererseits aber keine falsche Weichenstellung vornehmen. Grundsätzlich gehören die Freien zu den Befürwortern des bisherigen Wertstoffhofsystems.

Da reiht sich auch CSU-Fraktionschef Bernhard Gmehling ein. „Unser bisheriges System wird schlechter geredet, als es ist“, betont er. Gmehling wird am kommenden Montag seine Fraktion zusammentrommeln. Bis dahin hofft er, von Werkleiter Franz Josef Simon Zahlen und Fakten zur Gelben Tonne zu erhalten, um eine Entscheidungsgrundlage zu haben. „Bislang fehlen mir noch ein bisserl die Informationen“, erklärt der Fraktionschef das Dilemma des gesamten Kreistages. Sein müllpolitischer Sprecher Josef Lechner ist auch kein vorauseilender Freund der Tonne, könnte sich aber einen Wertstoffsack im Bringsystem vorstellen. Dessen Inhalt sei kontrollierbar und das erfasste Material qualitativ besser. Bleibt der Landkreis Herr des Verfahrens, „dann hätten wir es in der Hand, wie es in zwei oder drei Jahren weitergeht“, sagt Lechner, der dem DSD nicht das Ruder überlassen möchte.

Eine einheitliche Ablehnung der Gelben Tonne ist bei der Union nicht zu erwarten. Kreisrat Michael Schmidl gilt als bekennender Freund der Tonne und als Gegner der differenzierten Wertstofferfassung, wie sie derzeit noch auf den Wertstoffhöfen praktiziert – und von externen Fachleuten als gutes System gelobt wird.

 


Von Klaus Peter Frank
 
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