Von Midlife-Crisis keine Spur
Neuburg Neuburg (r) Midlife-Crisis ab 40? Nicht beim Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. „Der Kreis steht bestens da, ist kraftvoll und attraktive Heimat für unsere Bürger“, so das Urteil von Landrat Roland Weigert. Gestern nahm er jede Menge Gratulationen zum 40. Jubiläum des Landkreises entgegen.
Mit einer „kleinen Party“ erinnerte man im Landratsamt an die Geburtsstunde im Juli 1972. 300 Gäste waren dabei, darunter die Landräte Martin Wolf (Pfaffenhofen), Christian Knauer (Aichach-Friedberg), Thomas Fügmann (Saale-Orla), Ingolstadts OB Alfred Lehmann, viele Bürgermeister sowie die Abgeordneten Erika Görlitz und Markus Reichhart.Das Prädikat vom „Hidden Champion“ Neuburg-Schrobenhausen dürfe man durchaus Ernst nehmen, so Regierungspräsident Christoph Hillenbrand, „wir haben hier eine Modellregion“. 1972 sei Oberbayern durch ein „Schmuckkästchen“ und eine „schwäbische Braut“ reicher geworden.
Jakob Kreidl, Landrat von Miesbach und bayerischer Landkreis-Präsident, gratulierte im Namen seiner bayerischen Kollegen und schaute beeindruckt auf den „phantastischen Festakt“. Neuburg-Schrobenhausen sei von einer „Zangengeburt zum Prachtkerl geworden“. Für die Bundeswehr gratulierte Oberst Andreas Pfeiffer mit einem Düsenjäger-Bild für das Landratsbüro.
CDU-Landrat Thomas Fügmann aus Thüringen bedankte sich für 22 Jahre partnerschaftliche Begleitung. Bayerische Erfolgszahlen könne er nicht aufweisen, die Bevölkerung in seinem Kreis schrumpfte von 105 000 auf 88 000. Immerhin sei die Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent Spitze in Thüringen. Die Partnerschaft habe die Bürger auf allen Ebenen zusammengebracht.
Bildungspolitik und florierende Wirtschaft bestimmten die Festrede von Landrat Roland Weigert. Wenn Neuburg-Schrobenhausen in einem aktuellen Ranking Platz zehn von 400 deutschen Landkreisen einnehme, dann könne man „aus einer Position der Stärke“ in die Zukunft gehen. Das könne nur im regionalen Zusammenhalt geschehen, so Weigert. Er bedankte sich bei allen Kreisräten und seinen Vorgängern Walter Asam und Richard Keßler: „Sie haben das Fundament für den Aufstieg von Neuburg-Schrobenhausen gelegt“.
Der Landkreis sei nicht Verlierer der damaligen Gebietsreform sondern Gewinner. „Die Menschen identifizieren sich mit Neuburg-Schrobenhausen“, so Weigert, „alle zusammen wollen wir weiter wachsen“. Die 18 Städte und Gemeinden haben ihre Individualität behalten und stärken die Vielfalt im Landkreis.
An die „schwere Geburt“ des Landkreises erinnerte sich Altlandrat Richard Keßler. Er beschrieb den harten Verlust des Rainer Lechviertels für Neuburg und zollte dem damaligen OB Theo Lauber Respekt: „Er war bereit, um des Landkreises willen, die Kreisfreiheit Neuburgs als hohes Gut auf dem Altar der Gebietsreform zu opfern“.
Neuburgs „Absturz in die Bedeutungslosigkeit“ verhinderte letztlich die erkämpfte „Dreierlösung“. Eichstätt und Pfaffenhofen trugen den ausgewogenen Kompromiss mit. In Schrobenhausen sei von „Bürgerkrieg“ und einer „zweiten Vertreibung“ die Rede gewesen. Nachdem sich der Kreistag Schrobenhausen noch „gegen die wilden Annäherungsversuche Neuburgs“ gewehrt hatte, kam schließlich doch eine „passable Vernunftehe“ zustande, so Zeitzeuge Keßler in seiner interessanten Bilanz. Walter Asam als erster Landrat kam Schrobenhausen entgegen, Rudolf Roßkopf „verzichtete in einer großen Geste“.
In vier Jahrzehnten habe sich der neue Kreis gut entwickelt, „er ist in guter Verfassung“. Die Zeit, so Keßler, verlange heute noch mehr regionale Zusammenarbeit, „sonst könnte sich bald die Notwendigkeit einer neuen Gebietsreform ergeben“.
Zwei Kreispolitiker sind seit 1972 dabei: Helmut Eikam (SPD) und Reinhardt Reißner (CSU). Landrat Roland Weigert ehrte sie mit der neuen Landkreis-Anstecknadel, ebenso Auguste Schmid, Annemarie Hoecht, Richard Keßler und Franz Mehner – er wurde 45 .
Mit einem umfangreichen Büffett, Landkreis-Bier und Landkreis-Pralinen feierten die Gäste im Innenhof das 40-Jährige. Heute treffen sich dort die Landkreisbediensteten zum Jubiläumsessen.
Von Winfried Rein
