Windkraft: Über 614 Meter Höhe geht nichts
Neuburg Neuburg (r) Es bleibt dabei: Düsenjäger und Windräder vertragen sich nicht im Kreis Neuburg-Schrobenhausen. Im Luftsicherheitskorridor dürfen Hindernisse 614 Meter Höhe über Meeresspiegel nicht überragen. Oberst Andreas Pfeiffer, Chef des Jagdgeschwaders 74, bestätigte gestern die Einschränkung.
Beim alljährlichen Treffen der Lärmschutzkommission gab es erwartungsgemäß auch Fragen zur Windkraftnutzung. Kommodore Andreas Pfeiffer verwies zwar auf die Zuständigkeit der Wehrbereichsverwaltung, bekräftigte aber gleichzeitig die 614-Meter-Grenze. „Es sind gesetzliche Vorgaben, daran haben wir uns zu halten“, so der Offizier.Der Kommodore sieht aber den Zug noch nicht ganz abgefahren. „Wir sind nicht gegen die Windkraftnutzung, man muss jetzt nachverhandeln“, sieht Andreas Pfeiffer potenzielle Investoren und Politiker am Zug. Insbesondere mit der Deutschen Flugsicherung München müssten die Standorte konkret abgeklärt werden. Auch Landrat Roland Weigert und OB Bernhard Gmehling haben die Windräder noch nicht aufgegeben und wollen verhandeln.
Im Klartext allerdings bedeutet die 614-Meter-Einschränkung, dass im Raum Neuburg mindestens 20 Windkraftanlagen verhindert werden. Elf sind für den Hainberg bei Rennertshofen beantragt, neun für das Hügelland um Ehekirchen angedacht. Das Gelände dort ist 500 bis 560 Meter hoch. Windräder unter 140 Meter Nabenhöhe gelten im Waldbereich als unwirtschaftlich und finden wohl kaum Investoren.
Beim Thema Fluglärm befindet sich das Neuburger Jagdgeschwader weiter im Sinkflug. Rund 1700 Starts und Landungen in den Jahren 2011 und 2010 seien ausgesprochene Niedrigwerte. „In Zeiten des Kalten Krieges sind in Neuburg jedes Jahr weit über 10 000 Stunden geflogen worden“, sagte der Kommodore.
Das JG 74 verfügt derzeit über 24 Eurofighter, drei weitere sollen bald dazukommen. „Die Hälfte unserer Flugstunden absolvieren wir auf fremden Plätzen“, versicherte Danilo Schlag, Kommandeur der Fliegenden Gruppe. Dazu gehören Auslandseinsätze wie vor kurzem die große Nato-Übung in Alaska und die Verlegung nach Sardinien (heuer im Oktober). 2013 stehe die Nato-Überprüfung in Schleswig-Holstein an, eine Übung in Spanien und Unterstützung in Wittmund. Dort wird bis Juli die Phantom ausgemustert und die Neuburger Piloten schulen die Kollegen mit dem Eurofighter.
Man versuche in Neuburg Mittagspause und Sondertermine einzuhalten, so der Kommodore. 2012 habe es bisher 58 Starts in der Mittagspause gegeben (2011: 91) und nur einen Nachtstart nach 22 Uhr. Allerdings gibt es auch danach Flugbetrieb in Form von Landungen. Jeder Jetpilot müsse jährlich mindestens vier Nachtlandungen zur Lizenzsicherung nachweisen. Bei 30 Piloten sind das 120 Nachtflüge, die teilweise auch im Sommer unterzubringen sind. Geübt wird natürlich auch im Simulator.
Den Eurofighter sieht Oberst Pfeiffer „so sicher wie kein anderes Waffensystem“. Das könne man aus 140 000 Flugstunden entnehmen, die Piloten aus sechs Nationen in zehn Jahren geflogen seien.
Oberbürgermeister Gmehling gab eine Beschwerde des Zeller Ortssprechers weiter, wonach Neu-Zell immer wieder mal direkt überflogen werde. Im Prinzip mache man um Zell einen Bogen, so der Kommodore, „aber ich schließe nicht aus, dass es einen Überflug gegeben haben könnte“. Der Eurofighter entlaste jedenfalls durch seine verbesserte Wendigkeit die umliegenden Gemeinden.
Die Neufassung der Lärmschutzzonen steht 2013/14 an. Ob die Zonen größer oder kleiner werden, können die Vertreter des Wirtschaftsministeriums noch nicht sagen. Dass die Neuausweisung „zeitnah“ passiert, schließt Neuburgs Oberbürgermeister aus. „Das dauert ewig“, verweist Bernhard Gmehling auf die starken Einschränkungen von Neubebauung. Man müsse um jede Einzelgenehmigung „regelrecht kämpfen“.
Spätestens 2014 wird es ganz ruhig auf dem Nato-Flugplatz Neuburg-Zell: Für einen zweistelligen Millionenbetrag wird die Start- und Landebahn erneuert. Ferner entstehen weitere Gebäude und ein neuer Tower. Das JG 74 wird auch in dieser Zeit seinem Auftrag der Luftraumüberwachung nachkommen – von Lechfeld aus.
Von Winfried Rein
