19.08.2012 | 18:37 Uhr
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Farbtupfer für Felder

Pfaffenhofen Pfaffenhofen (PK) Buntere Felder wünschen sich die Fachleute im Pfaffenhofener Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Biene, Reh und Hase sollen Blühstreifen auf Kulturflächen zu abwechslungsreicher Nahrung verhelfen und dazu dem Menschen auch noch einen schönen Anblick bieten.

Pfaffenhofen: Farbtupfer für Felder
Blühstreifen sollen mehr Farbe ins Feld bringen und gleichzeitig Wildtieren als zusätzliche Nahrung dienen. Zum Meinungsaustausch trafen sich Jäger, Imker, Saatgutproduzenten sowie Landwirte und inspizierten eine blütenreiche Referenzfläche bei Irmühle - Foto: Raths
Vor dem Hintergrund vermehrten Maisanbaues und der Abkehr von kleinbäuerlichen Strukturen hin zur industrialisierten Landwirtschaft wird seit geraumer Zeit die Anlage von Blühstreifen propagiert. An der Irlmühle bei Wolnzach haben die Verantwortlichen des AELF eine Referenzfläche gezeigt, auf der Josef Höckmeier fünf verschiedene Saatgutmischungen mit jeweils speziellem Blühcharakter angesät hat. Dort ist jetzt beispielhaft die Entwicklung der jeweiligen Sorten zu sehen. Höckmeier hat in seiner landwirtschaftlichen Betriebsfläche bereits Streifen mit einer Gesamtlänge von 1,3 Kilometern angelegt. Drei Meter in der Breite, ein Maß, das die Sämaschine vorgibt. Eine spätere Entscheidung für die Artenzusammensetzung richtet sich nach den jeweiligen Ansichten und Bedürfnissen des ansaatwilligen Landwirts.

Möglichst viele blühende Flächen, die wünscht sich auch Berufsimker Albrecht Pausch: „Gerade jetzt geht den Bienen schon die Nahrung aus und da sind derzeit blühende Pflanzen unheimlich wertvoll, denn Pollen werden für die Brut und Nektar als Flugtreibstoff dringend von den Bienen benötigt.“

Max Weichenrieder, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, rät den Landwirten sich langsam an die Sache heranzutasten. Immerhin nähme die Akzeptanz dafür im Landkreis von Jahr zu Jahr zu. „Diese Blühstreifen-Aktionen sollte der Landwirt unterstützen weil das nicht nur für das Image der Bauern, sondern auch für die Umwelt sehr wichtig und gut ist.“ Es gebe dazu aber auch noch viele Details zu beachten und schließlich sollte das Unkraut dabei nicht überhandnehmen. „Kosten und Nutzen müssen in einer vernünftigen Relation stehen.“

Landwirtschaftsdirektor Josef Konrad findet, dass Landwirte, Jäger und Imker an einem Strang ziehen müssen. „Ich appelliere deshalb an alle, miteinander zu reden.“ Es gebe ja eine ganze Reihe von Flächen, die zum Teil an einem Waldrand lägen und nicht so ertragreich seien. „Dort kann man ohne Weiteres auch eine solche mehrjährige Einsaat machen.“ Klar dabei sei, dass diese Maßnahmen einen gewissen Ertragsverzicht bedeuteten. „Der ist aber unter Umständen gar nicht so groß, wenn es etwa ein Grenzertragsstandort ist“. Es handle sich in der Regel ja nur um einige Quadratmeter. Für die Gesamtertragssituation sei die Blühstreifenanlage ein Vorteil, etwa durch die Bestäubungsleistung durch die Bienen.

Die Jägerschaft könne ihrerseits zum Beispiel bei der jährlichen Versammlung der Jagdgenossen die Thematik ansprechen, erklärt Altlandrat Rudi Engelhard in seiner Funktion als Vorsitzender der Jägervereinigung des Landkreises. „Wir versuchen schon seit Jahren, das Rehwild aus den Hopfengärten fernzuhalten, indem man ihm andere attraktive Äsungs- und Deckungsflächen bietet“, sagt Engelhard. „Das klappt schon ganz gut.“

Genauso wichtig wie die Blühstreifen sei aber auch der wildfreundliche Zwischenfruchtanbau. „Nur Senf anzubauen, das fördert einseitig das Schwarzwild“, gibt Engelhard zu bedenken. Wildtierfreundliche Mischungen, die beispielsweise Buchweizen, Serradella, Phazelie oder Bockshornklee enthielten, seien bereits auf dem Markt. Gleichzeitig hat er einen Tipp parat, der für kurz entschlossene Landwirte interessant sein dürfte, die auch ihrem Jagdpächter etwas Gutes tun wollen: „Der Landesjagdverband fördert derzeit den wildtiergerechten Zwischenfruchtanbau.“ Demnach bekommen die Bauern auf Antrag unter gewissen Voraussetzungen für maximal drei Hektar pro Betrieb einen Zuschuss zu den Saatgutkosten. Allerdings gibt es eine bayernweite Obergrenze von 1000 Hektar. Ist diese ausgeschöpft, wird der Fördertopf gedeckelt. Allerdings können sich Jäger und Landwirte auch unabhängig von den Fördermöglichkeiten zusammentun und überlegen, wie sie ihre Interessen unter einen Hut bringen können.

 


Von Alfred Raths

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