21.06.2012 | 18:24 Uhr
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"Mein Weg zur Energiewende"

Eja Eja (PK) Die Blätter reichen ihm weit über den Kopf. Drei bis vier Meter wachsen die Igniscum-Stengel in die Höhe. Johann Brenner nimmt beide Hände zu Hilfe, drückt die Pflanzen auseinander – und blickt zufrieden hindurch. „Sie wachsen klasse und sind super zu verarbeiten – das ist mein Weg zur Energiewende“, sagt der Landwirtschaftsmeister. Ganz in der Nähe von Eja, wo Brenners Hof steht, steht er am Rande des weltweit ersten Versuchsfeldes. Per Zufall ist es zur Zusammenarbeit mit der Firma ConPower aus München gekommen. „Sie haben ein Feld gesucht, ich hatte eins. Ich suchte eine gute Energiepflanze – und die konnten sie mir bieten.“

Eja: "Mein Weg zur Energiewende"
 
Dennoch wollen sie diesen Anlass auch mit einer fröhlichen Feier als Dank für ihre langjährige Verbundenheit verknüpfen, zu der sie die Bevölkerung und benachbarte Vereine herzlich einladen. Die Gründer des Vereins waren vor 90 Jahren noch von den Schrecken und Erlebnissen des Ersten Weltkriegs gezeichnet und die ältesten Vereinsmitglieder können sich selbst heute noch an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs erinnern. Alle hatten sie in diesen unglückseligen Jahren unzählige Tote aus den Reihen ihrer Verwandten, Freunde und Nachbarn zu beklagen. Für die Überlebenden dieser Katastrophen war und ist es ein tiefes Verlangen, auf diese vielen Kriegsopfer und die Gräuel ihres Leidens aufmerksam zu machen. Mehr noch ist es ihnen ein Bedürfnis, durch diese Erinnerung vor einer tragischen Wiederholung der Geschichte zu mahnen. Der Auftrag, den sich die Gründerväter damals gegeben haben, ist immer noch aktuell.
 
Herausgekommen ist ein fruchtbares Miteinander, von dem Brenner in Zukunft profitieren will. Seit fünf Jahren hegt und pflegt er die spezielle Flügelknöterich-Sorte Igniscum – direkt neben ein wenig Elefantengras, Pappeln und Weiden. „Für den besseren Vergleich“, erklärt Brenner. Der 43-Jährige hat bislang die gesamte Ernte abgegeben. Doch ab sofort wendet sich das Blatt. „Die Versuchsreihe ist abgeschlossen. Ab jetzt darf ich selbst ernten – und habe alle Forschungsergebnisse aus erster Hand in der Tasche.“

Energiepflanzen sind landkreisweit auf dem Vormarsch. Es gibt Pappelplantagen und Miscanthusfelder. „Nichts Neues“, räumt Brenner ein. Jeder will seinen Hof mit selbst produzierten Hackschnitzeln beheizen, um Energie zu sparen. Die Frage ist nur, wie, mit was und auf welchem Weg“ Der Landwirt aus Eja hat die für ihn optimale Antwort gefunden. Pappeln wachsen langsam, Miscanthus wächst etwas langsamer, ist dafür aber schwer zu verarbeiten. Und es hinterlässt beim Verbrennen Unmengen an Schlacke und Schadstoffen. Igniscum ist anders. Es wächst schnell, kann jährlich geerntet werden und kommt bei den Heiz- und Brennwerten fast an Pappeln heran. „Für mich ist es ideal. Ich werde fünf Hektar einlegen – und damit meine Heizkosten auf die Hälfte reduzieren“, sagt Brenner.

Aufrüsten muss er seinen Fuhrpark dafür nicht. Mit den ganz normalen Maschinen, etwa dem Maishäcksler, kann er die riesigen Pflanzen abernten und zu Hackschnitzeln verarbeiten. Dabei könnte Igniscum auch gut und gerne zu Pellets veredelt oder gar in Biomasseanlagen vergärt werden. „Will ich aber nicht. Das sind nur weitere Schritte, die Aufwand bedeuten. Mit reicht es als Heizpflanze“, ergänzt der 43-Jährige.

Nachteile hat Brenner bislang übrigens noch gar keine entdeckt. Am besten gefällt ihm die Tatsache, dass die Knöterich-Pflanze derart verändert wurde, dass sie keinerlei Samen verstreut – und somit die umliegenden Felder in keiner Art und Weise beeinträchtigt. „Der Anbau ist völlig sicher. Die Vermehrung und der Anbau erfolgen ausschließlich über das Setzen oder Teilen der Rhizome“, versichert er. Und diese würden auch nicht über die Feldränder nach außen wandern. „Es ist in keinem einzigen Fall passiert, und das in fünf Jahren – ich denke, da kann man sicher sein.“

Inzwischen ist sogar das Fernsehen auf die Freifläche bei Eja aufmerksam geworden. Der Bayerische Rundfunk hat erst vor kurzem auf dem Brenner-Anwesen gedreht und Igniscum unter die Lupe genommen. Am heutigen Freitag um 19 Uhr wird der Beitrag bei „Unser Land“ im Dritten Programm ausgestrahlt. „Wenn kein anderes, aktuelles Thema dazwischenkommt. Direkt vor dem Fußball-Viertelfinale – passt doch perfekt“, sagt Brenner schon ein wenig stolz.

 


Von Patrick Ermert

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