Wohnen hinter dicken Mauern
Schamhaupten Schamhaupten (bis) Mit 22 500 Euro fördert der Bezirk Oberbayern die Sanierung und den Umbau des ehemaligen Brauerei-Eiskellers in Schamhaupten. Die Mitglieder der Fachberatung Heimatpflege machten sich gestern ein Bild von den Baumaßnahmen.
Die fünfköpfige Familie Stark hatte eigentlich an einen Neubau gedacht, als ihr das Obergeschoss der ehemaligen Brauerei-Gastwirtschaft in Schamhaupten zu eng und zu unbequem wurde. Das viele Treppensteigen – bei drei kleinen Kindern – ist viel zu beschwerlich. Michaela Stark gab gegenüber ihren Besuchern mit einem Lachen zu, dass sie dabei die treibende Kraft war. Doch der Hilpoltsteiner Architekt Elmar Greiner, an den sich das Paar deswegen gewandt hatte, war gleich angetan von dem angrenzenden Bau aus dem Jahr 1902, den sie abreißen wollten, um Platz zum Bauen zu haben. Er überredete das Ehepaar, den Eiskeller der früheren Brauerei Stark umzubauen und zum Wohnen zu nutzen. Warum das Gebäude erhaltenswert ist, erklärte Greiner auch den Mitgliedern der Fachberatung Heimatpflege um Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler.Beim Ortstermin, zu dem auch Bezirksrat Reinhard Eichiner (CSU) in die Augustinerstraße gekommen war, schwärmte er unter anderem von dem ungewöhnlichen Kopfbau mit seinem schönen Giebel und den dicken Mauern des Eiskellers: „Ein Passivhaus ist ein Witz dagegen.“ Verschiedene Isolierschichten hielten die Kälte des Eises verlässlich im Inneren fest – auch im heißesten Sommer. Das Gebäude werde jetzt so denkmalgerecht wie möglich instand gesetzt, bis hin zum ursprünglichen dicken Rillenputz, erklärte Greiner.
Thomas und Michaela Stark beteiligen sich selbst intensiv am Umbau. Ihr Mann erledige die körperliche Arbeit, sie hauptsächlich das Telefonieren. „Als ich einmal mitgeholfen habe, habe ich mir gleich den Daumen gebrochen.“
Doch es wird noch einige Zeit vergehen, bis sie mit ihren Kindern Charlotte, Viktoria und Moritz hier einziehen können. Das Gebäude nahe der Schamhauptener Kirche ist zurzeit eine einzige große Baustelle. Die Mitglieder der Fachberatung mit Sitz im Kloster Benediktbeuern konnten sich jedenfalls kaum losreißen von dem alten Eiskeller, obwohl sie gestern im Anschluss an diesen ersten Termin des Tages noch eine ganze Reihe von Stationen im Landkreis Eichstätt hatten. Am späten Nachmittag sollte die Tour in der Bischofsstadt zu Ende gehen.
Auf ihrer jährlichen Exkursion besuchten die Fachleute diesmal den nördlichsten oberbayerischen Landkreis, weil er im Juli besonders von Fördermitteln profitiert hatte.
Trotz langer Erfahrung mit Baudenkmälern hatten die Besucher doch noch keinen Brauerei-Eiskeller zu Gesicht bekommen. Neugierig schlüpften fast alle durch einen niedrigen Zugang in das dunkle, kühle Gewölbe. Thomas Stark erzählte, wie das Eis für die alte Brauerei vom nahen Weiher beim Schambachursprung in den Keller transportiert worden war. Beeindruckt waren alle, als sie hörten, dass das Eis nicht schmolz, sondern praktisch langsam verdampfte. Deshalb habe es auch Kamine gegeben, die den Wasserdampf abtransportierten, erläuterte Stark. Hier wird allerdings niemand wohnen, dieser Teil des Gebäudes soll weiterhin zeigen, wie früher in der Brauerei gearbeitet wurde.
Der Einsatz des Ehepaars wird mit einer Förderung von 22 500 Euro vom Bezirk Oberbayern belohnt. Grundlage dafür war nicht zuletzt die sorgfältige Dokumentation der Bauarbeiten, die den Fachleuten die Beurteilung leicht machte.
Von Birgit Sprogies
