"Arithmetische Zwänge"
Schrobenhausen Schrobenhausen (SZ) Der Tag nach der Bürgermeisterwahl: Die meisten Kandidaten arbeiten wieder. Lediglich Rudi Koppold gönnt sich drei Wochen Urlaub. Und Wahlgewinner Karlheinz Stephan kommt vor Glückwunschanrufen kaum zum Arbeiten. Die Analyse der Ergebnisse fällt unterschiedlich aus.
Der prominenteste Gratulationsanruf erreicht Karlheinz Stephan (CSU) von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Den gesamten Montag hindurch klingelt das Telefon in der Amtsstube von Stephan unablässig – Bürgermeisterkollegen und viele aus der Bevölkerung. Ein paar Minuten für eine Wahlanalyse nimmt sich Stephan zwischendurch Zeit.Mit Blick auf die Ergebnisse scheint Stephans These, Markus Kauderer würde vor allem Georg Berger (Pro Sob), Peter Mießl (SPD) und Rudi Koppold (FW) Stimmen kosten, richtig zu sein. Allerdings will Stephan Kauderer nicht als einen der Wahlgewinner ansehen, „nur weil er von null auf 8,7 Prozent gesprungen ist“. Für Stephan ist etwas ganz anderes wichtig: „Was zählt ist nicht der materielle Aufwand, sondern der Mensch hinter der Kandidatur.“
„Man kann nicht in die Herzen der Wähler hineinschauen“, sagt Mießl. Die Ergebnisse vom vergangenen Sonntag legten den Schluss nahe, so Mießl, dass Stephan mit seiner Kauderer-Theorie recht habe. Über sich und sein Ergebnis selbst sagt Mießl: „Offensichtlich war ich kein populärer Kandidat.“ Nur so erklärt sich Mießl, dass er als gebürtiger Sandizeller noch hinter dem Ergebnis des Brunneners Godehard Herzberg vor sechs Jahren liegt.
Den materiell aufwendigsten Wahlkampf hat Rudi Koppold geführt: mit zahlreichen Zeitungsanzeigen und etlichen Großplakaten. Letztere bereiten ihm jetzt noch Mühe: „Es gibt noch ein paar Nacharbeiten, also zum Beispiel die Plakate verräumen.“ Ansonsten will Koppold seinen dreiwöchigen Urlaub genießen – im Garten. „Mit meiner Frau werde ich ein paar Tagesausflüge machen – vielleicht nach München, vielleicht ins Voralpenland. Wir holen nach, was im Wahlkampf von April bis Juli zu kurz gekommen ist.“
Das Einsammeln von Plakaten hat auch Berger am ersten Abend nach der Wahl vor sich: „Mal sehen, wie viele noch übrig sind.“ Warum er bei seiner dritten Bürgermeisterkandidatur in Folge – und auch seiner letzten – so schlecht abgeschnitten hat, kann sich Berger nicht erklären. Eines weiß er allerdings ganz genau: Die Kauderer-These Stephans stimme lediglich mathematisch betrachtet: „Es gibt keinen Markenkern zwischen Kauderer und Berger.“ Für das Wahlergebnis vom Sonntag gebe es lediglich „arithmetische Zwänge“.
Immer noch zufrieden ist Markus Kauderer mit seinem Wahlergebnis. Schließlich sei er bislang nicht im Stadtrat tätig gewesen, wie er selber sagt. Doch das soll sich ändern: „Wir werden auf jeden Fall aus der Wählervereinigung eine Partei mit Satzung machen und bei der Kommunalwahl antreten.“
Ein Nachtrag noch aus der Stadtverwaltung zur Wahl: Es gab lediglich 24 ungültige Stimmen. Wenig für eine Wahl, wie Hans-Peter Kurzhals vom Hauptamt der Stadt meint. Übrigens hat niemand auf den Wahlzetteln einen eigenen Kandidaten vermerkt.
Von Jürgen Spindler
