06.07.2012 | 20:38 Uhr
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Fünf ziemlich unterschiedliche Typen

Schrobenhausen Schrobenhausen (SZ) Wenn die Kandidaten schon nicht so recht für Wahlkampf sorgen, dann muss eben die Zeitung vor Ort eingreifen: Die Podiumsdiskussion der Schrobenhausener Zeitung am Donnerstagabend bot all das, was viele bisher vor der Bürgermeisterwahl am 15. Juli vermisst hatten: nämlich eine klare Positionierung der fünf Kandidaten, Inhalte – und ja, auch Unterhaltung.



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Bild: M. Schalk Insgesamt 133,4 Prozent: Dieses Ergebnis wird es wohl bei der Bürgermeisterwahl in Schrobenhausen am 15. Juli nicht geben. Darüber machten sich die fünf Kandidaten (v.l.) Georg Berger, Peter Mießl, Karlheinz Stephan, Markus Kauderer und Rudi Koppold am Ende der SZ-Podiumsdiskussion wohl die wenigsten Gedanken.

Die SZ-Redakteure Mathias Petry und Jürgen Spindler führten locker durch den Abend, stellten Fragen, die die Leser zuvor an die Zeitung geschickt hatten, und bastelten noch einige Themen dazu. Kurzum: Sie waren gut vorbereitet, und das merkte man. Eine Selbstverständlichkeit? Nun, von den fünf Bürgermeisterkandidaten konnte man auch erwarten, dass sie sich auf diesen Termin vorbereiten, schließlich war die Diskussionsrunde die Gelegenheit, vor Hunderten von Wählern für sich zu werben – ganz zu schweigen von den Medien, die den Abend für ein Zigfaches der Anwesenden aufbereiten würden. Und vier von fünf hatten sich darauf eingestellt. Nur ausgerechnet der, der laut Wahlplakat für frischen Wind sorgen wollte, der blieb in der Diskussionsrunde erstaunlich still – weil er offensichtlich nicht sonderlich gut vorbereitet war.

Und so gab Markus Kauderer, der auf der Bühne wie ein auf den scharf geschossenen Freistoß des Gegners wartender Verteidiger in der Mauer da stand, bei einigen Themen, die am Abend diskutiert wurden, an die anderen Kandidaten ab oder schloss sich ihnen an. Seine Themen waren vor allem mehr Bürgerbeteiligung und die Beibehaltung des Status Quo in der Innenstadt (Kauderer: „Das Verkehrskonzept ist okay“ – was ihm einige Buhrufe einbrachte). Schuldendebatte? Kauderer winkte mehrfach ab. Erneuerbare Energien? „Ich finde in Sachen Energie, dass wir das mit dem Herrn Mießl machen sollten, der ist erstens im Stadtrat und der hat einfach Ahnung von den ganzen Sachen.“

Warum er sich dann mit einem Windrad auf seinen Plakaten abbilden ließ? „Wegen dem frischen Wind“, sagte Kauderer. Das forderte Georg Berger heraus: „Ist das auf dem Plakat eigentlich ein Windrad oder ein Ventilator“, fragte er. „Ein Windrad“, antwortete Kauderer verdutzt, worauf es aus Berger herausplatzte: „Aber das bringt keinen Wind!“ Eine wohlgesetzte Pointe, die von den Zuhörern mit Gelächter honoriert wurde, wie so viele Bemerkungen Bergers an dem Abend. Ganz klar: Der Pro-Sob-Kandidat, der im Stadtrat auch gerne mal unwirsch wird, wollte zeigen: Ich bin auch ein ziemlich lustiger Kerl. Und das zweite Thema für ihn war natürlich: Schulden machen, das ist mit mir auch in Zukunft nicht drin. Lässig lehnte er zwei Stunden über an seinem Barhocker.

Das konnte man Kauderer immerhin zugute halten: Die anderen wissen natürlich aus dem Effeff, wie man sich auf politischer Bühne (und auf der in der Stadthalle) bewegt. Und mancher Kandidat vertraut im Wahlkampf sogar auf professionelle Berater, wie Koppold und Stephan.

So präsentierte sich der Bürgermeister auch richtiggehend präsidial, nahm (mit aufrechter Körperhaltung) Lob (Berger: „bei ihm gilt: Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps; Mießl: „kollegiales Verhalten“) und Kritik (Mießl: „lange ruhig und plötzlich Wutausbruch ist so ein typisches Verhalten“; Koppold: „für Ideen von anderen Gruppierungen zu wenig offen“; Kauderer: „Innenstadtkonzept nicht mit den Bürgern gemacht“) mit Gleichmut auf, sein Urteil lautete sogar: „Ich bin zutreffend analysiert.“

Eine weitere Schwäche räumte er beim Thema Innenstadt ein. Die Entscheidung zum Verkehrskonzept müsse der Stadtrat „demütig hinnehmen“, schließlich habe man es nicht geschafft, die eigene Position bis zum Ende zu kommunizieren. Ab der nächsten Kommunalwahlperiode müsse man das Thema neu angehen, mit „externer Moderation und breiter Bürgerbeteiligung“.

Lachen musste er, als er auf sein Flugblatt angesprochen wurde, auf dem 13 Gründe, ihn zu wählen, angekündigt waren – es fanden sich aber nur zwölf darauf. „Wir sind alle nur Menschen, kochen alle nur mit Wasser“, sagte er.

Stephan präsentierte sich über den Abend immer in der Materie, zu jedem Thema hatte er etwas parat. Und er war fest in seiner Meinung, machte auch nicht Halt vor unpopulären Aussagen, etwa, als Rudi Koppold forderte, die Verkehrsgestaltung in der Innenstadt unbedingt schon 2013 anzugehen, damit Senioren und Kinder sich wieder sicherer in der Stadt bewegen könnten. Wie viele Fußgänger denn in der jüngeren Vergangenheit in der Lenbachstraße überfahren worden seien, fragte Stephan rhetorisch. „Ja, muss erst was passieren“, rief eine Frau aus dem Publikum. Das natürlich nicht, entgegnete Stephan, aber man solle das Thema nicht übertrieben darstellen.

Auch bei der Frage nach der Baulandpolitik dachte Stephan nicht daran, das zu sagen, was den Leuten womöglich gefallen hätte. Einem Einheimischenmodell, wie es Koppold und Berger vorschwebte, um günstiges Bauland zu schaffen oder ein Bonussystem für junge Familien, wie von Mießl vorgeschlagen und von Kauderer unterstützt, erteilte Stephan ebenso eine Absage wie einer Wohnungsbaugesellschaft. „Wir sollten den Kräften des Marktes vertrauen.“

Koppold, der auf dem Hocker sitzend Souveränität ausstrahlte, verkörperte perfekt den erfahrenen Beamten mit politischer Erfahrung, der „das Ohr am Bürger“ hat. Warum solle denn eine Wohnungsbaugesellschaft nicht in Schrobenhausen genauso funktionieren, um Wohnen wieder günstiger zu machen, „wenn der Chef das selbst in die Hand nimmt“, fragte er etwa. Und das machte er auch klar, der Chef, das wäre in Zukunft gerne er – obwohl er es persönlich nicht brauche.

„Die Zeit ist reif, für einen Bürgermeister wie mich“, sagte besonnen Peter Mießl, der nicht nur bei seinem Paradethema Energie und Umweltschutz kompetent und sympathisch rüberkam. „Ich bin klein – vom Körper her. Das habe ich schon immer ausgleichen müssen.“ Mit solchen Aussagen punktet man natürlich.

Und nach Mießls eigener Vorstellung reichte das auch zum zweitstärksten Ergebnis der Kandidaten. Die Fünf waren am Schluss nämlich aufgerufen, ihr eigenes Ergebnis vorherzusagen – und Mießl tippte auf 33 Prozent. Markus Kauderer sah sich bei 20 Prozent und Rudi Koppold bei 25.

Georg Berger versuchte es mit einer Wurzelrechnung, die er wahrscheinlich selbst erst entschlüsseln musste – es wäre (gerundet) 3,4 herausgekommen. In die Stichwahl würde bei dieser Wahlprognose allerdings keiner kommen, denn Bürgermeister Karlheinz Stephan sieht sich selbstbewusst 52 Prozent – das wäre die absolute Mehrheit.
 

 


Von Thorsten Stark
 
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