22.02.2012 | 19:16 Uhr
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Lokomotive der Landfrauen

Langenmosen Langenmosen (SZ) Zehn Jahre lang ist sie die Vorzeige-Landfrau des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen gewesen. Jetzt heißt es Abschied nehmen von Kreisbäuerin Mathilde Ahle, die Ende Februar bei den Neuwahlen des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) nicht mehr antritt.

Langenmosen: Lokomotive der Landfrauen
 
Als Lokomotive will sie sich nicht unbedingt sehen. „Ich hatte so tolle Waggons hinter mir, dass die Lokomotive einfach laufen konnte“, sagt sie bescheiden. Das Wir-Gefühl unter den Landfrauen zu stärken, war immer ihr größtes Anliegen. Umso mehr freut es sie, dass sie noch drei Jahre nach der unter diesem Motto stehenden Landkreis-Lebkuchenaktion positive Rückmeldungen erhält. Als die heute 54-Jährige in Hannover zur Deutschen Landfrau des Jahres gekürt wurde, war ihr nicht die persönliche Auszeichnung wichtig, sondern „dass wir Landfrauen geehrt werden“. Nichtsdestotrotz hat es ihr „ein Gänsehautgefühl“ erzeugt, in Niedersachsen auf der Bühne zu stehen.

Harmonisches Tandem

Dass die Landfrauen aus nördlichem und südlichem Landkreis unter ihrer Führung noch ein Stück enger zusammengerückt sind, was bereits die Vorgängerinnen betrieben, ist nicht zuletzt dem bestens funktionierenden Tandem mit Stellvertreterin Christa Scheuermeyer aus Neuburg zu verdanken. „Wir haben uns bestens ergänzt“, findet Ahle. Die Impulse, Ideen und Visionen kamen meist von ihr. Was dann in welcher Form umgesetzt wurde, trug nicht selten die Handschrift der pragmatisch veranlagten Stellvertreterin.

Stress in der Milchkrise

Kraft für die zeitaufwendige ehrenamtliche Arbeit schöpfte die vierfache Mutter, die mit Ehemann Jakob einen Milchviehbetrieb führt, aus dem Ehrenamt selbst. „Wenn ich etwas organisiert hatte und die Leute kamen, dann gab mir das Kraft zurück“, erzählt sie. Gruppenarbeit war ihr wichtig, sie wollte immer wissen, was draußen an der Basis los ist. Rückblickend möchte sie keines ihrer zehn Jahre als Kreisbäuerin missen, auch wenn es mitunter weniger schöne Erlebnisse gab. „Die schlimmste Zeit war die Milchkrise“, bilanziert sie. Mit Kreisobmann Ludwig Bayer hat sie sich damals kurzgeschlossen und entschieden, den Streik mitzumachen, „aber nur aus Solidarität, nicht aus Überzeugung“. In den Stall zu gehen, zu melken und dann die Milch wegzuschütten, das sei für sie das Schlimmste gewesen. „Das würde ich heute nicht mehr tun“, sagt sie leise, aber bestimmt.

Was sie nun vorhat? Ganz oben auf der Prioritätenliste steht die Hofübergabe im Juni an Tochter Maria. Das ist der Hauptgrund, nicht mehr zu kandidieren, weil Ahle überzeugt ist, dass eine aktive Bäuerin an der Spitze der Landfrauen stehen sollte. Zudem wird es notwendig, Geld zu verdienen, da die Altersversorgung der Landwirte nur gering ist. Soweit es ihre eigenen beruflichen Aktivitäten erlauben, will sie weiter auf dem Hof mithelfen. Aktuell stehen Ernährungsführerscheine an zehn Grundschulklassen auf dem Terminkalender der Hauswirtschaftsmeisterin, Milchbotschafterin und ausgebildeten Ernährungsberaterin, die auch als Geprüfte-Qualitäts-Botschafterin für Rindfleisch in der Verbraucherberatung tätig ist.

Zeit für Enkel und Musik

„Ich bin offen für alles“, sagt sie mit einem offenen Lächeln, das sich noch vertieft, als die Frage im Raum steht, ob sie denn Bürgermeisterin von Langenmosen werden wolle, wie die Gerüchteküche schon seit einiger Zeit über die Gemeinderätin und derzeitige Vizebürgermeisterin behauptet. „Die Gerüchteküche ist groß“, antwortet Ahle, „und ich sage allen, dass ich das dann entscheide, wenn es so weit ist“. Mehr Zeit für die drei Enkelkinder wird sie erst einmal haben und vielleicht auch für die Musik, der sie unter anderem mit den Grabmühler Sängerinnen nachgeht.

Viele Ideen

Dass sich trotz zweijähriger, zuletzt sehr intensiver Suche und vieler Gespräche noch niemand bereit erklärt hat, die Landfrauenarbeit weiterzuführen, belastet sie sehr. „Es ist eine sehr schöne und bereichernde Aufgabe, die Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen stärkt“, betont die gebürtige Grabmühlerin. Und: „Es ist nichts Fremdes, sondern eine Arbeit, die mit dem Alltag der Bäuerin, mit Hof und Hauswirtschaft gut vernetzt werden kann. Es gebe viele Ideen und Anregungen vonseiten der Hauptamtlichen des BBV, aber wie viel und was die einzelne Kreisbäuerin umsetzt, das bleibe ihr selbst überlassen. Ahle wünscht sich nur eines, „dass unsere Arbeit, dieses Wir-Gefühl, das wir aufgebaut und intensiviert haben, weitergeführt wird“.


Von Andrea Hammerl

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