Wundenlecken beim Weißwurstfrühstück
Schrobenhausen Schrobenhausen (SZ) Die Bürgermeisterwahl in Schrobenhausen hat bei der SPD Wunden hinterlassen, die offensichtlich auch zwei Wochen nach den Urnengang noch nicht ansatzweise verheilt sind. Bei einer Mitgliederversammlung, bei der lediglich Delegierte für verschiedene Parteitage gewählt werden sollten, kam das Thema auf.

Im Wahlkampf nahmen die Kandidaten einiges auf sich, um sich ins rechte Licht zu rücken. In Sandizell ließen sich drei von ihnen (von rechts: Stephan, Mießl, Koppold) sogar wiegen. Franz Mühlpointner wahrte aber den Datenschutz und ließ nichts darüber heraus, wer von ihnen das größte Schwergewicht ist - Foto: Franz Spies
„Nur Weißwurst essen kann es ja nicht sein“, meint Rief und will am Ende der Versammlung über die Bürgermeisterwahl reden. Peter Mießl sei nach der Wahl am 15. Juli schon deprimiert gewesen, meint Rief: „Den müssen wir jetzt schon aufbauen.“
Wie nötig das ist, zeigten die Wahlergebnisse. Mießl lag auf dem dritten Platz unter den fünf Kandidaten mit 11,8 Prozent (796 Stimmen). Damit lag er 155 Stimmen hinter dem Ergebnis, das sein Vorgänger Godehard Herzberger (13,9 Prozent, 951 Stimmen) aus Brunnen sechs Jahre zuvor eingefahren hatte.
„Wir sind mit dem Ergebnis alles andere als zufrieden“, zieht auch SPD-Ortsvorsitzender Robert Huber ein Resümee. „Wahrscheinlich war der Leidensdruck, den amtierenden Bürgermeister abzuwählen, nicht groß genug, dass es für eine Stichwahl gereicht hätte“, so Huber mit Blick auf den Wahlsonntag. Personelle Konsequenzen aus dem Wahldebakel will die SPD-Führung vor Ort nicht ziehen: „Das wäre nur ein Bauernopfer gewesen.“ Alle Entscheidungen vor dem Wahlkampf über Themen und Art der Wahlwerbung seien gemeinsam gefällt worden, sagt Huber. Ergo: Es wurde gemeinsam gekämpft – und gemeinsam verloren.
Vor allem der Themenmix, mit dem die SPD und ihr Spitzenkandidat Peter Mießl in die Bürgermeisterwahl gegangen seien, müsse wohl falsch gewesen sein, meint Huber. Die Konsequenz, die Huber für die Sozialdemokraten daraus zieht, ist eindeutig: „Wir wollen uns noch mehr in die Gesellschaft öffnen.“ Dabei sollen die im Wahlkampf erprobten alternativen Veranstaltungsformen wie Podiumsdebatten und Bürgerforen helfen. Darüber hinaus will sich die SPD in Schrobenhausen auch bislang wenig beachteten Themenkreisen erschließen, die abseits der „klassischen SPD-Themen liegen“. Dazu zählt für Huber auch das Themenfeld Sport.
Allerdings will die SPD nicht so weit gehen, ihre Überzeugungen über Bord zu werfen: „Bei einigen Themen wie der Südwest-Tangente sind wir nicht sportlich genug, über unseren eigenen Schatten zu springen.“ Etwas anders, so Huber weiter, „wäre Blödsinn“.
„Wir müssen den Bürgermeister jetzt mehr beobachten und verstärkt auf die Füße treten“, sagt SPD-Urgestein Rief und skizziert damit den aus seiner Sicht erfolgreichen Schlachtplan für die Zukunft der SPD in Schrobenhausen. Themen gäbe es genug, weiß der Ex-Stadtrat. Zum Beispiel die Rathaussanierung: „Warum geht nichts vorwärts“
Von Jürgen Spindler