20.07.2012 | 21:20 Uhr
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Eichstätter Student geht in Revision

Eichstätt Eichstätt (DK) Der wegen sexuellen Missbrauchs eines Buben zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilte Student der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt will gegen die Entscheidung des Gerichts in Revision gehen.

Das bestätigte sein Verteidiger Norman Jacob am Freitag gegenüber unserer Zeitung. „Zur Begründung kann ich noch nichts sagen. Dazu brauche ich erst das schriftlich formulierte Urteil.“

Der 30-jährige Student hatte, wie berichtet, vor Aufnahme seines Religionspädagogikstudiums in Eichstätt als ehrenamtlicher Mesner im Landkreis Kitzingen zwischen 2003 und 2007 einen Ministranten sexuell missbraucht. Der Bub war gerade mal zwölf Jahre alt, als die Übergriffe begannen. Strafrechtlich relevant waren aber „nur“ 20 Fälle bis 2005, als das Opfer sein 14. Lebensjahr vollendete und danach juristisch nicht mehr als Kind galt. Der Beschuldigte hat die Taten beim Prozess am Landgericht Würzburg eingeräumt. Der frühere Messdiener leidet bis heute schwer an den Folgen des Missbrauchs und hat vier Selbstmordversuche hinter sich.

Staatsanwalt Thomas Trapp verzichtete dagegen auf Rechtsmittel. „Es ist ein Schuldspruch erfolgt, ich habe fünf Jahre Freiheitsstrafe gefordert und vier sind herausgekommen – damit sind wir zufrieden“, sagte er. Die beantragte Revision bedeutet nicht eine Neuauflage des Falls, sondern eine Überprüfung des Verfahrens auf Formfehler.

Solange das Urteil nicht rechtskräftig ist, kann die Eichstätter Universität auch nicht über die weitere Zukunft des 30-Jährigen entscheiden. „Er bleibt aber bis zur Klärung vom Studienbetrieb ausgeschlossen“, be- tonte Uni-Sprecher Constantin Schulte Strathaus. Was eine Dozentin des Studenten betrifft, die sich stark für ihn eingesetzt hatte, dauert das interne Verfahren an. Sie hatte dem jungen Mann bereits vor der Verhandlung entgegen allen Regeln und ohne Berechtigung den Verbleib an der Uni in Aussicht gestellt, auch wenn er verurteilt werden sollte. Als erste Konsequenz war die Frau am Dienstag von ihren Aufgaben als Praxisbetreuerin entbunden worden. Dabei wird es wohl nicht bleiben.

Derweil rumort es in Studentenkreisen, weil die Fakultätsleitung um Stillschweigen nach außen gebeten hatte. „Wir wünschen uns einfach nur eine klare Position der Verantwortlichen, damit der Ruf der Uni nicht weiter leidet“, hieß es am Freitag. „Mauern hilft gar nichts.“ Inzwischen hat sich auch der Präventionsbeauftragte des Bistums Eichstätt, Peter Nothaft, an die Fakultätsspitze gewandt und um eine Stellungnahme zu den Vorgängen gebeten.

 


Von Horst Richter

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