14.02.2011 | 22:05 Uhr
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Mehr oder weniger Lehrer?

München (DK) Im Streit um mehr Lehrerstellen werfen sich Staatsregierung und Lehrerverband "Lügen" und "Verschleierung" vor. Gestern bemühte sich Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), seine Zahlen im Haushalt zu erklären. Doch Kritikern mangelt es an Transparenz.

Der Minister fühlt sich zu Unrecht angegriffen. "Was ich nicht tue, ist, dass ich Dinge verneble oder verdecke", sagt Spaenle, als er seine Pläne für die Einstellung neuer Lehrer gestern im Kultusministerium verteidigt. 1000 zusätzliche Lehrer pro Jahr versprechen CSU und FDP in ihrem Koalitionsvertrag. Und laut Spaenle wird das Versprechen auch erfüllt. "Wir halten Wort und können das auch beweisen."

Das bezweifelte der bayerische Lehrer und Lehrerinnenverband (BLLV) zuletzt. Anders als behauptet seien im Haushaltsplan gar nicht mehr Lehrerstellen vorgesehen, meinte Verbandspräsident Klaus Wenzel. Während an der einen Stelle Neueinstellungen vorgesehen seien, würden an anderer Stelle Tausende gestrichen. Wenzel verbreite "Unwahrheiten", hieß es darauf aus der CSU. Seit Wochen schwelt ein Streit.

Wenzel kritisiert, dass im Haushalt etliche Stellen mit Sperr- oder Streichvermerken versehen sind. An vielen Posten steht im Etatplan das Kürzel "kw" für "künftig wegfallend". Insgesamt seien mehr Stellen von der Streichung bedroht als neue geschaffen würden.

Dieser Darstellung trat der Minister gestern entgegen. Die "kw"-Vermerke seien nur ein "Merkposten" für Stellen, die überprüft würden. Zu behaupten, diese Stellen würden sicher wegfallen, sei eine "Verschleierung" durch den BLLV. Vielmehr halte das Ministerium an den meisten fest – bis auf zwei Ausnahmen.

Weil die 13. Jahrgangsstufe im Gymnasium wegfällt, sollen deshalb 1499 Stellen gestrichen werden. Außerdem werden wegen sinkender Schülerzahlen Kapazitäten frei. Ab dem 1. August 2012 will die Staatsregierung deshalb 1082 Planstellen in den Schulen an die Hochschulen abgeben. Dort werden wegen des doppelten Abiturjahrgangs mehr Studenten als sonst erwartet.

Alles in allem werde die Lehrerzahl weiter steigen, betont Spaenle. Laut Kultusministerium soll sie bis 2012 auf 86685 anwachsen. Das wären 5880 Lehrer mehr als 2007. "Von einer Kürzung kann überhaupt keine Rede sein", sagt der Minister. Sowohl 2011 als auch 2012 seien die versprochenen 1000 Lehrer vorgesehen.

In einigen Punkten bleiben die Pläne allerdings umstritten. 2012 will das Kultusministerium etwa 1320 neue Lehrer einstellen und rechnet diese in seine angeblich zusätzlichen Stellen ein. Die neuen Kräfte gleichen aber nur die Kapazitäten aus, die durch die Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde verloren gehen. Mehr Unterricht als bisher kann mit den neuen Kräften nicht angeboten werden. Zudem sind die 1082 Planstellen, die an die Hochschulen abgegeben werden, für das gesamte Jahr 2012 mit eingerechnet. Sie gehen aber schon im August verloren.

Ungeachtet dessen gibt sich BLLV-Präsident Wenzel inzwischen versöhnlich. Sollten gesperrte und mit Streichvermerk versehene Stellen im System verbleiben, sei schon viel gewonnen, sagt der Verbandschef. Die Vorwürfe müssten aufhören. "Wir sollten jetzt auf einer anderen Ebene weitermachen", sagt Wenzel. Seine Angriffe hält er aber für berechtigt. Er habe Spaenle "auf die Rückseite der Medaille" hingewiesen. Dass er die Kritik nicht hören wolle, sei "eine menschliche Reaktion". Für kommenden Montag habe er ein Gespräch mit dem bildungspolitischen Sprecher der CSU-Fraktion, Georg Eisenreich, vereinbart.

Die Opposition kritisiert Spaenle unterdessen weiter heftig. "Das ist ein nahezu verzweifelter Versuch, den Lehrermangel an bayerischen Schulen schönzureden", sagt der bildungspolitische Sprecher der SPD, Hans-Ulrich Pfaffmann. Ähnlich äußert sich die Bildungsexpertin der Freien Wähler, Eva Gottstein, aus Eichstätt. Die Ausführungen enthielten weiterhin Unklarheiten und Widersprüche. Auch den Grünen-Abgeordneten Thomas Gehring überzeugt Spaenles Erklärungsversuch nicht. Die Frage sei nicht, wer auf dem Papier die schönsten Lehrerstellen "zaubern" könne, sondern wie man dafür sorge, "dass endlich ausreichend Lehrer in Fleisch und Blut vor unseren Klassen stehen".


Von Til Huber

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