17.08.2012 | 21:37 Uhr
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"Der Freistaat muss auf eigenen Füßen stehen"

München München (dapd) Für Zurückhaltung ist Wilfried Scharnagl nicht gerade bekannt. Der frühere Chefredakteur des CSU-Blattes „Bayernkurier“ watschte schon immer gern wortgewaltig die politischen Gegner ab. Nun nimmt er sich in seinem neuen Buch „Bayern kann es auch allein“ die anderen Bundesländer, das historische Preußen, die Bundesregierung und die EU vor.

München: "Der Freistaat muss auf eigenen Füßen stehen"
„Mir geht es um einen Weckruf“: Der frühere Chefredakteur der CSU-Zeitung „Bayernkurier“, Wilfried Scharnagl - Foto: Lein/dapd
Auf knapp 200 Seiten legt Scharnagl dar, wieso es dem Freistaat nach seiner Ansicht besser ginge, wenn er unabhängig wäre. Ulrich Meyer von der Nachrichtenagentur dapd hat mit Scharnagl (73) gesprochen.

 

Herr Scharnagl, sie plädieren in Ihrem Buch für eine staatliche Eigenständigkeit Bayerns. Ist das denn überhaupt denkbar?

Wilfried Scharnagl: Das Undenkbare wird dann denkbar, wenn man es ausspricht. Ich will, dass das ernst genommen wird. Das Buch soll ein Weckruf sein zur Besinnung. Bayern muss sein Geschick wieder mehr in die eigenen Hände nehmen. Der Freistaat muss auf eigenen Füßen stehen, um sich wehren zu können gegen die furchtbare Gleichmacherei aus Berlin und Brüssel.

 

Was ist so schlecht an der jetzigen Lage des Freistaats?

Scharnagl: Die Bedeutung Bayerns wird weder vom Bund, noch von anderen Bundesländern, noch vom Moloch Brüssel ausreichend gewürdigt. Wir haben viel zu wenig Einfluss, gemessen an unserer Stärke. Wir liegen immerhin, gemessen am Bruttosozialprodukt, auf Rang sechs oder sieben unter den europäischen Staaten. Aber auf europäischer Ebene haben wir nicht mehr Stimmgewicht als jede andere Region und viel zu wenig Einfluss.

Wie soll denn die Eigenstaatlichkeit Bayerns erreicht werden? Rechtlich wäre das ja durchaus kompliziert.

Scharnagl: Ich will und kann keine verfassungsrechtlichen Konstruktionen entwerfen, wie so ein Übergang vollzogen werden könnte. Aber ich glaube an die Möglichkeit. Landkarten sind nie für die Ewigkeit gemacht. Schauen Sie sich die drei baltischen Staaten an. Wer noch vor wenigen Jahren deren Existenz und Wiedergeburt vorhergesagt hätte, wäre als Spinner bezeichnet worden. Oder nehmen Sie die friedliche Trennung der Tschechoslowakei, auch solch umwälzende Veränderungen können geschehen.

Gehört das Buch zur Vorbereitung des kommenden Landtagswahlkampfs der CSU? Versuchen Sie, damit die alte Gleichung „Bayern = CSU“ wieder herzustellen?

Scharnagl: Nein, mir geht es um einen Weckruf jenseits aller Parteipolitik. Und ich zitiere in meinem Buch ja auch den großen Sozialdemokraten Wilhelm Hoegner, der 1945 gefordert hatte, wir müssten wieder unsere eigenen Herren im „Gasthaus zum Bayerischen Löwen“ sein. Bayern soll weiterhin deutsch bleiben, das ist mir ganz wichtig, aber wir dürfen nicht zum Zahlmeister der europäischen Fehlleistungen gemacht werden. Es geht nicht um Parteien, es um die Zukunft dieses Staates Bayern, der als Mitglied einer doppelten – einer deutschen und einer europäischen – Transferunion einfach keine gute Zukunft haben kann.

 




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