Die Gema und das Geld
München München (DK) Die Gema macht immer wieder Schlagzeilen. Derzeit gibt es Ärger um die neuen Tarife zur Musiknutzung in Diskotheken. Die Verwertungsgesellschaft sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Wir haben die Gema-Zentrale in München besucht.

Hinter den Mauern der Gema in München geht es um Musik und die Gebühren für deren Nutzung. Die Gesellschaft vertritt Komponisten, Textdichter und Musikverleger und nimmt deren Urheberrechte wahr. Das eingetriebene Geld wird dann unter den Mitgliedern verteilt - Foto: Leiprecht/dapd
Denn dass man sich mit dem Schutz von geistigem Eigentum nicht immer Freunde macht, das weiß Gaby Schilcher nur zu genau. Sie ist Sprecherin einer Institution mit dem recht technokratisch klingenden Namen „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“. Die Abkürzung dürfte geläufiger sein: die Gema. Und diese Abkürzung steht auch für eine Institution, die sich selbst allzu oft als Buhmann gebrandmarkt sieht, obwohl sie, wie Gaby Schilcher sagt, „nur ihren Job macht“.
Die Gema verwaltet als staatlich anerkannte Treuhänderin die Nutzungsrechte von über 64 000 Mitgliedern und rund zwei Millionen ausländischer Berechtigter – Komponisten, Textdichter, Musikverleger. Als Verwertungsgesellschaft sorgt sie dafür, dass die Urheber für die Nutzung ihrer Werke bei Konzerten, im Rundfunk und Fernsehen oder bei öffentlichen Musikveranstaltungen entlohnt werden. „Wir sorgen dafür, dass ein Komponist das bekommt, was ihm zusteht“, sagt Gaby Schilcher.
Müssten die Leute also nicht dankbar sein, dass es die Gema gibt? Gleich gegenüber dem Gasteig, dem Sitz der Münchner Philharmoniker, sitzt Gaby Schilcher in ihrem Büro und holt bei dieser Frage erstmal tief Luft. „Ganz so einfach ist es halt in der Praxis nicht.“
Gerade hat Schilcher wieder alle Hände voll zu tun, denn die Gema wird in der Öffentlichkeit mal wieder als Abzocker tituliert. Ab Januar 2013 soll es neue Tarife für „Veranstaltungen mit Musik“ geben, es geht um die Gebühren für Diskotheken, Clubs oder öffentliche Feste. Bisher gab es dafür elf verschiedene, gestaffelte Tarife. „Wir wollen dieses Tarif-Wirrwarr vereinfachen“, so Gema-Vorstandsmitglied Georg Oeller. Ein Tarif für alle, abhängig allein von der Höhe des Eintritts und der Größe der Veranstaltungsfläche. Die Gema rechnet dabei mit 100 Leuten pro 100 Quadratmeter und will zukünftig zehn Prozent vom Eintrittsgeld. Laut Angaben der Bundesvereinigung der Musikveranstalter bedeutet das für manche Diskothek eine Steigerung der Gema-Gebühren um bis zu 1000 Prozent. Club-Besitzer laufen Sturm gegen die Pläne, manche sehen sich gar vom finanziellen Ruin bedroht.
Gaby Schilcher verteidigt die Pläne. Nur für die großen Diskotheken werde es teurer, die kleineren Veranstalter würden entlastet. Die Proteste der Club-Besitzer kann sie nicht verstehen. „Die machen 80 Prozent ihres Umsatzes mit den Getränken, nur 20 Prozent mit den Eintrittsgeldern. Und von diesem kleinen Teil wollen wir zehn Prozent für die, mit deren Werken sie das Geld verdienen. Das soll ungerecht sein“ Internationalen Star-DJs würde man teilweise tausende Euro für einen Abend bezahlen, beim Lohn für die Komponisten sei man dann plötzlich knauserig. Ein Schiedsverfahren beim Patent- und Markenamt wird nun über die neuen Gema-Tarife entscheiden.
Rund 1100 Mitarbeiter hat die Gema, verteilt auf die Generaldirektionen in München und Berlin sowie sieben Bezirksdirektionen. Was hinter den Gema-Mauern geschieht, ist vor allem Detektivarbeit. Rund um die Uhr recherchieren Mitarbeiter in Zeitungen und im Internet nach öffentlichen Veranstaltungen. Außenmitarbeiter fahren durch die Lande und fahnden nach Plakaten. „Oft finden wir in der Lokalzeitung einen Bericht über eine Veranstaltung und wir stellen fest, dass nichts angemeldet war“, sagt Gaby Schilcher. „Wir warten in der Regel einige Tage ab. Kommt keine nachträgliche Anmeldung, bekommt der Veranstalter Post von uns.“ Bei „Ersttätern“ begnügt man sich meistens mit einer nachträglichen Rechnung. Ansonsten droht eine Strafzahlung in der doppelten Höhe.
Mit ganzen Detektivabteilungen jeder noch so kleinen Veranstaltung hinterher spionieren – auch das trägt nicht gerade positiv zum Image der Gema bei. „Wir sind aber gesetzlich dazu verpflichtet“, betont Gaby Schilcher. „Wir dürfen gar keine Ausnahme machen, auch nicht beim Kindergartenfest. Sonst könnten unsere Mitglieder rechtlich gegen uns vorgehen.“ Wer sich nicht sicher sei, ob er eine Veranstaltung anmelden muss, solle am besten vorher mit der Gema reden.
Der Weg von Gaby Schilchers Büro in Richtung Ausgang führt vorbei an kleinen Büros, in denen jeweils nur zwei oder drei Mitarbeiter sitzen. In einem davon steht ein Flügel, die Mitarbeiterin am Schreibtisch trägt große Kopfhörer und hört stundenlang Musik. Kein Grund zu einer Abmahnung, das gehört hier zum Job.
Von Michael Bartmann