Länger lieben
München München (DK) „Unsere Beziehung? – Läuft bestens!“ Sätze wie diese kennen die beiden Münchner Psychologinnen Katharina Bublath und Bettina Bergau zur Genüge. Denn wenn es nicht so läuft, wollen sich das nur die wenigsten eingestehen. Im ungünstigsten Fall endet eine Krisenphase in der Beziehung mit einem großen Knall: nämlich der Trennung.
Damit es erst gar nicht so weit kommt, haben sich die beiden Frauen etwas einfallen lassen: Ein Spiel, das Paaren beibringen soll, wie man in einer Beziehung so miteinander umgeht, dass man möglichst lange zusammenbleibt. Daher auch der Name: „Zamm“.Die Idee für das Spiel kam den beiden im Frühjahr vergangenen Jahres durch ihren Job. Hauptberuflich sind Bublath und Bergau Gutachterinnen am Familiengericht. Dort haben sie viel mit Trennungen zu tun. Zum Beispiel geben sie dem Gericht Empfehlungen, welcher Elternteil im Sorgerechtsstreit die Kinder bekommen soll. Schließlich überlegten sie sich, wie sich eine Trennung schon im Vorfeld durch den richtigen Umgang miteinander vermeiden lässt.
Viele legen sich nach Ansicht der beiden Expertinnen heutzutage nicht mehr genug ins Zeug, um ihre Beziehung zu retten. „Es ist in unserer Gesellschaft akzeptiert, dass man sich scheiden lässt“, sagt Bublath. „Aber es bringt etwas, daran zu arbeiten, dass eine Beziehung stabil bleibt.“ Vor allem Kinder leiden unter einer Trennung. Anfangs spielten sie mit dem Gedanken, eine Art Präventionskurs anzubieten. Aber Frontalunterricht sei einfach nicht das Richtige gewesen. „Wir wollten viele Leute erreichen“, sagt Bergau. Und dafür schien ein Spiel die optimale Lösung.
„Zamm“ ist allerdings kein käuflich erwerbbares Brettspiel. Bublath und Bergau mieten für das zwei- bis dreistündige Spiel extra einen Raum an. „Wir kommen aber auch nach Hause – wie die Tupperfee“, sagt Bublath. Das Spielfeld wird mittels eines Beamers an die Wand geworfen. Dann müssen die Pärchen Zahlen wählen, hinter denen sich Fragen rund um das Thema Beziehung verbergen, die die Macherinnen aus ihrem Wissen um die Paarforschung erarbeitet haben. Gedacht ist es für mindestens zwei bis maximal fünf Paare. Die können befreundet sein, müssen es aber nicht. Man kann sich auch als Einzelpärchen anmelden und mit Fremden spielen. Pro Paar kostet ein Spielabend 100 Euro.
Oft sei die Frau das Zugpferd, die den Mann zu einem Spiel überrede – „aber am Ende findet er es meistens genauso lustig“. Keiner müsse Intimes preisgeben, darauf legen Bublath und Bergau großen Wert. Damit das Ganze aber nicht zu einem faden Quiz verkommt, haben die Erfinderinnen auch Action-Spiele mit eingebaut. Dabei sollen die Paare zeigen, wie gut sie in Stresssituationen miteinander harmonieren.
Am Ende gibt es dann auch keine Bewertung, wie es um die Beziehung steht. Es geht vielmehr darum, den Teilnehmern Wissen über Beziehungen nahe zu bringen. Etwa, dass es helfen kann, wenn man einen Tag in der Woche für Zweisamkeit reserviere – auch wenn sich das zunächst etwas unromantisch anhöre. Eine Krise komme oft schneller als man denke. Häufig seien überzogene Erwartungen schuld, zum Beispiel wenn ein Kind kommt. Die meisten sähen nur das Positive – aber dann käme es wegen unterschiedlicher Meinungen in Sachen Erziehung zum Streit.
Eine bestimmte Zielgruppe haben sie für ihr Spiel nicht. „Jeder kann zu uns kommen“, sagt Bergau. Bisher haben vor allem Jüngere teilgenommen. Noch steht ihr Spiel-Projekt am Anfang. Wenn es gut läuft, seien auch weitere Varianten denkbar: eine Zsamm-App etwa oder ein Zamm-Brettspiel.
Von Sebastian Oppenheimer
