"Leere Polizeiautos nützen niemandem"
München München (DK) Am 12. November wählt die Lobby der Staatsdiener, der Deutsche Beamtenbund, einen neuen Vorsitzenden. Wunschkandidat des scheidenden Präsidenten Peter Heesen ist sein bisheriger Vize Klaus Dauderstädt, der Vorsitzende der Fachgewerkschaft für die Beschäftigten bei den Sozialversicherungsträgern.
Auf Drängen vor allem der traditionell starken Lehrerlobby hat nun auch der Chef des Bayerischen Beamtenbunds, Rolf Habermann (Foto), seinen Hut in den Ring geworfen. Mit dem Lehrer aus Kronach sprach unser Mitarbeiter André Paul.Herr Habermann, eine Kampfkandidatur für die Führung bei den Beamten – braucht’s das?
Rolf Habermann: Das Wort „Kampfkandidatur“ gehört nicht zu meinem Wortschatz. Dass es für eine Position mehrere Kandidaten gibt, ist in der Demokratie und auch in unserer Verbandsgeschichte nichts Ungewöhnliches.
Ein drängendes Problem für den Beamtenstand sind die Rücklagen für die Pensionen der Zukunft. Gerade der Freistaat, heißt es aus Reihen der Opposition, tue hier nicht genügend.
Habermann: Die Alterssicherungssysteme sind insgesamt ein Problem, nicht nur für die Beamten. Da spielt auch der demografische Wandel eine große Rolle. Die Beamten sind aber nicht daran schuld, wenn unser Dienstherr in der Vergangenheit nicht genügend Rücklagen gebildet hat, um Vorsorge für künftige Pensionen zu schaffen. Wir waren da in den letzten Jahren auf gutem Weg, derzeit werden Neuerungen diskutiert, die wir kritisch beobachten werden.
Glauben Sie, dass Sie und Ihre Kollegen in Zukunft sichere Pensionen haben werden?
Habermann: Davon gehe ich aus. Es dürfen vor allem Betroffene nicht zu Sündenböcken gemacht werden. Ich bin sicher, dass wir gemeinsam zu tragfähigen Lösungen kommen.
Das Image der Beamten ist, gerade in Zeiten leerer Kassen und hoher Staatsverschuldung, nicht das Beste. Wie wollen Sie hier in der Öffentlichkeit gegensteuern?
Habermann: Es ist schon eigenartig: Beamte kommen in Umfragen nicht besonders gut weg, aber die größten Gruppen unter den Beamten – die Lehrkräfte und Polizisten – belegen Spitzenplätze. Die Gesellschaft und die Politik müssen letztendlich entscheiden, welche Aufgaben vom Staat künftig zuverlässig zur Verfügung gestellt werden sollen. Wenn der Staat Aufgaben erfüllen soll, braucht er dafür Personal. Leere Polizeiautos oder Schulen, Ämter ohne entsprechendes Personal nützen niemandem.
Donaukurier