24.08.2012 | 20:17 Uhr
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Kein Dach über dem Kopf

Pförring Pförring (DK) Es tat einen mächtigen Schlag, und Hans B. lag neben seinem Bett. Der Blitz hatte Dienstagfrüh ins Haus eingeschlagen, wie durch ein Wunder kamen er und seine Frau mit dem Schrecken davon. Das Ehepaar steht jetzt aber vor dem Nichts, denn das Gebäude ist durch den Schaden nicht mehr bewohnbar.

Pförring: Kein Dach über dem Kopf
Nur noch Schutt und Asche bleiben von der Einrichtung und dem Dachstuhl eines Wohnhauses in Pförring-Forchheim (Kreis Eichstätt), wo in der Nacht zum vergangenen Dienstag der Blitz einschlug. Die Bewohner kamen mit dem Schrecken davon, das Haus ist jedoch nicht mehr bewohnbar - Foto: Richter
Der 62-jährige Frührentner aus Forchheim im Gemeindebereich Pförring (Kreis Eichstätt) hatte zunächst gar nicht realisiert, was eigentlich passiert war. Schlaftrunken ging er ins Bad, nachdem eine gewaltige Kraft ihn aus dem Bett im Dachgeschoss des Wohnhauses geschleudert hatte. Ähnlich erging es seiner 59-jährigen Ehefrau. „Ich bin aufgewacht, weil es draußen so gerumpelt hat.“ Dass der Blitz während des draußen tobenden Gewitters gerade in den Dachstuhl eingeschlagen war, bemerkte auch sie anfangs nicht.

Erst als der aufmerksame Nachbar von gegenüber an der Tür Sturm klingelte und sie auf das Feuer im Gebälk hinwies, wurden die Eheleute sich der Gefahr bewusst. „Es hat dann noch gereicht, um einige wichtige Unterlagen und den Laptop in Sicherheit zu bringen. Alles andere haben wir nicht mehr retten können“, erzählt Hans B. Zumindest war niemand verletzt worden.

Die Feuerwehr ließ nicht lange auf sich warten – neben Kräften aus Forchheim rückten die Wehren aus Pförring, Mindelstetten, Vohburg und Neustadt an. Sie bekämpften die Flammen unter anderem mit Druckluftschaum, um den Wasserschaden in dem Wohnhaus in Grenzen zu halten. „Nach ungefähr zweieinhalb Stunden war dann das Gröbste erledigt“, sagte Forchheims 2. Kommandant Tobias Pesl. Die Nacharbeiten dauerten bis in die Morgenstunden, um 9.30 Uhr rückten die Fahrzeuge ab.

Zurück blieb das Ehepaar B., ohne Dach über dem Kopf. Denn das Feuer hatte im Obergeschoss ordentlich gewütet, bis in den Keller gelaufenes Löschwasser macht die übrigen Räume völlig unbewohnbar. Ein schmieriger Rußbelag überzieht Wände und Böden, überall stinkt es nach kaltem Rauch. „Wir müssen jetzt halt alles leer räumen“, sagte der Frührentner am Freitag. Eine Fachfirma schafft den Brandschutt weg, aber auch Bekannte, Familienangehörige, Freunde und Nachbarn packen tatkräftig mit an. „Wir haben ungefähr 20 Helfer“, freut sich Hans B. über die Unterstützung. Die Leute im Haus nebenan haben ihm und seiner Frau fürs Erste ein Zimmer zum Schlafen angeboten. „Inzwischen haben wir aber eine Wohnung zum Mieten gefunden, bis das Haus wieder hergerichtet ist.“

Ob der von der Kriminalpolizei Ingolstadt geschätzte Schaden von 150 000 Euro realistisch ist, erscheint fraglich. „Ich befürchte, dass dieser Betrag nicht ausreichen wird“, sagt Hans B. Mit der Versicherung sei er bereits in Kontakt. An Kummer ist der 62-Jährige, der seit 1995 in Forchheim lebt, einiges gewöhnt. Erst im Frühjahr hatte es einen Wasserschaden im Haus gegeben, dessen Folgen gerade beseitigt waren. Und auch sonst hat er gelernt, Rückschläge in seinem Leben hinzunehmen. Mit 18 Jahren hatte er einen schweren Lkw-Unfall, mit 24 traf ihn ein Betonteil am Kopf, was mit einem Schädelbruch endete, danach geriet er einmal zwischen zwei Anhänger und brach sich die Rippen, und vor zwölf Jahren schließlich war er an einem Unfall auf der A9 bei der Ausfahrt nach Großmehring beteiligt. Immer hat er sich wieder aufgerappelt und nach vorne geblickt. Vielleicht erklärt das die Gelassenheit, mit der das Ehepaar nach diesem neuerlichen Unglück die Aufräumarbeiten in seinem Haus angeht.

 


Von Horst Richter
 
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