05.07.2012 | 21:40 Uhr
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Eine Hängepartie

Roth Roth (DK) Wie geht es weiter mit dem Hubschrauberstandort der Polizei in Roth? Die Pläne für die dortige Kaserne, wo die Helikopter bisher stationiert sind, verheißen eine düstere Zukunft. Denn wenn die Heeresflieger 2014 abziehen, steht die Polizei ohne Flugsicherung da – und die Politik hängt offenbar völlig in der Luft.

Roth: Eine Hängepartie
Die Hubschrauberbesatzungen der bayerischen Polizei sind vielfältig einsetzbar, ob wie hier beim Transport von Löschwasserbehältern zur Bekämpfung von Waldbränden, bei der Fahndung nach Straftätern oder bei der Vermisstensuche und Verkehrsüberwachung. Der Standort der Nordstaffel im mittelfränkischen Roth ist mit dem Abzug der Heeresflieger aus der dortigen Bundeswehr-Kaserne nun gefährdet.
Seit vergangenem Herbst ist bekannt, dass die meisten Einheiten in der Otto-Lilienthal-Kaserne aufgelöst oder abgezogen werden, darunter auch das Kampfhubschrauberregiment 26. Der Abbau erfolgt ab Anfang 2014, gleichzeitig wird der militärische Flugbetrieb eingestellt. Für diese Entscheidung gibt es kein Zurück, wie Verteidigungsminister Thomas de Maizière am Montag beim Truppenbesuch in Roth unmissverständlich klarstellte. Von 2800 Soldaten und Zivilkräften in Roth bleiben dann 540 Dienstposten übrig. Die Polizei hatte bisher stets gehofft, dass die Bundeswehr nicht alle Hubschrauber abziehen würde. Die Erklärung de Maizières im Beisein von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ließ aber keinen Zweifel daran, dass es damit nichts wird. Wofür der Staat kein Geld aufbringen will, soll nun ein privater Investor richten, um die Infrastruktur so weit aufrechtzuerhalten, dass die nordbayerische Hubschrauberstaffel der Polizei weiter in Roth bleiben kann.

So viel zur Theorie. Denn wer ein Interesse haben könnte, den Flugbetrieb in der Otto-Lilienthal-Kaserne nach dem Abzug der relevanten Truppen zu sichern, weiß niemand. „Die Bewerber stehen nicht gerade Schlange“, räumt der Rother Bürgermeister Ralph Edelhäußer ein. Zusammen mit seiner gerade neu installierten Stadtbaumeisterin macht er sich natürlich Gedanken, wie das künftig von der Bundeswehr nicht mehr benötigte Areal gewerblich vermarktet werden könnte. „Aber ich weiß nicht mal, wie viel uns von den 360 Hektar Gesamtfläche zur Verfügung stehen wird.“ Genaue Zahlen, welchen Platz die Luftwaffe für die ab 2018 am Standort geplante Offiziersschule brauchen wird, sollen erst im kommenden Sommer vorliegen. „Ich denke, dass wirklich ernsthaft interessierte Investoren sich erst danach melden werden“, sagt Edelhäußer.

Ob dann jemand dabei sein wird, der den Flugbetrieb fortsetzen möchte? Innenminister Herrmann setzt seine ganze Hoffnung darauf, wie er am Montag betonte. Was aber, wenn dem nicht so ist? Gibt es einen Plan B? Anscheinend nicht, wie eine Anfrage im Innenministerium vermuten lässt: „Was brauchen wir einen Plan B, wenn es noch nicht einmal einen Plan A gibt“, fragte Sprecher Oliver Platzer. Es sei doch ausreichend Zeit.

Offenbar setzt man an maßgeblicher Stelle auf die Devise abwarten und Tee trinken. Wo eher Eile geboten wäre. Denn sollte die Polizei mit ihren Hubschraubern umziehen müssen, sind möglicherweise Neubauten und zuvor bau- oder luftrechtliche Genehmigungsverfahren notwendig – und gerade Letztere könnten sich hinziehen, etwa wenn es zu Widerstand aus dem Umfeld des neuen Standorts kommt. Da sind die verbleibenden eineinhalb Jahre bis zum Abzug der Heeresflieger denkbar knapp.

Doch welche Alternative bleibt für die Stationierung der drei Polizeihubschrauber samt der 30 in Roth stationierten Piloten, Flugtechniker und Mechaniker? Hier wird immer wieder der Name des Nürnberger Flughafens genannt. Aber ist das praktikabel? Blicken wir nach Erding, wo die Südstaffel der bayerischen Polizei am Franz-Josef-Strauß-Flughafen mit acht Maschinen und rund 70 Leuten ihren Sitz hat. Aber nur noch befristet, denn ein Umzug nach Oberschleißheim ist bereits beschlossene Sache, um gemeinsam mit der Bundespolizei einen neuen Flugplatz zu betreiben. Grund für die Verlegung sind zum einen wirtschaftliche Überlegungen: Mietkosten und Landegebühren machen rund 1,5 Millionen Euro im Jahr aus, Tendenz steigend. Praktische Überlegungen sind die andere Seite: „Durch den zivilen Luftverkehr kommt es für uns halt immer wieder zu Einschränkungen, und das wird in Zukunft immer mehr“, erklärt Joachim Walzik, Gesamtleiter der bayerischen Hubschrauberstaffel. Die Polizei kann im Ernstfall eben nicht warten, bis der Urlaubsflieger am Horizont verschwunden ist.

Im Vergleich zu Erding ist der Nürnberger Flughafen zwar eher klein. Der klammen Betreibergesellschaft – den Aufsichtsratsvorsitz hält übrigens Innenminister Herrmann – kämen zusätzliche Mieteinahmen angesichts eines Schuldenbergs von zuletzt mehr als 140 Millionen Euro sicher recht. Aber auch hier sind Konflikte im Flugbetrieb programmiert, wie die Polizei sie am Standort Roth bisher nicht kennt. „Ich habe immer fest daran geglaubt, dass wir hier in der Kaserne bleiben können. Jetzt habe ich aber ernste Zweifel daran“, meint ein Polizist der fränkischen Hubschrauberstaffel resigniert.

Rätselraten herrscht derweil, weshalb Joachim Herrmann zum Jahreswechsel noch einen von zwei Rettungshubschraubern am Nürnberger Flughafen probeweise in die Otto-Lilienthal-Kaserne verlegen möchte, wo doch das Ende des Flugbetriebs in Roth bereits eingeläutet ist. Kaum mehr als „Zweckoptimismus“ vermutet die örtliche SPD-Landtagsabgeordnete Helga Schmitt-Bussinger dahinter. Planvolles Vorgehen im Innenministerium kann auch sie nicht erkennen.

 


Von Horst Richter
 
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