Er schaut das Publikum an und grinst. "Dann lassen wir ihn mal runterkommen." Angelockt von Hafners Mitarbeiter setzt der kleine schwarze Punkt hoch oben zum Sturzflug an. Der König der Lüfte saust aus 600 Metern herab. Immer näher kommt der Adler, nimmt langsam Konturen an und landet schließlich elegant auf dem ausgestreckten Arm. "Das würde ich mich nicht trauen", sagt ein älterer Mann im Publikum, angesichts des mächtigen Vogels, der da auf dem Arm sitzt. Und damit ist er sicher nicht allein. Allein ist er auch in Riedenburg nicht. Die traditionsreiche Stadt im Kreis Kelheim wird jedes Jahr von vielen Touristen besucht. Auch wir haben für unsere Sommerausflugs-Serie vorbeigeschaut.
So wie eine Reisegruppe aus dem Allgäu. Sie ist gerade mitten in der Diskussion. Das Thema: Welcher Vogel war am schönsten? Der Weg zurück in die Altstadt von Riedenburg führt über den Dreiburgensteig – allerdings nicht ohne Abstecher zur Ruine Rabenstein. Von der einstigen Burganlage bietet sich ein toller Blick ins Untere Altmühltal. Der Pfad ins Tal verläuft durch den Wald. Im Schatten kommt der Kreislauf wieder in Schwung. Vorbei an der Kirche geht es auf den Marktplatz und von dort zur Schiffsanlegestelle, wo gerade eines der weißen Touristenschiffe ablegt – voll besetzt mit Urlaubern. Eine Fahrt nach Kelheim und Kloster Weltenburg wäre auch schön. Doch erstmal ist in Riedenburg jede Menge geboten.
Das nächste Ziel ist schon in Sicht: das Kristallmuseum. Im Inneren drängen sich die Besucher um die Hauptattraktion, die größte Bergkristallgruppe der Welt. „Ein echter Amerikaner“, meint ein Mann mit Vollbart. Und tatsächlich: Gefunden wurde der Koloss im US-Bundesstaat Arkansas. Seit 30 Jahren steht er im Altmühltal. Solche Details interessieren aber nicht jeden. Ein kleiner Junge misst mit großen Schritten Länge und Breite des Brockens nach. „Fünf Schritte und sieben Schritte“, verkündet er stolz seiner Mutter. Die schaut auf einer der Informationstafeln nach und weiß es nun genau – drei mal zwei Meter ist der Kristall groß.
Mittagessen gibt es in einem der vielen Riedenburger Wirtshäuser. Die Auswahl ist groß, da ist für jeden etwas dabei. Um die Kalorien wieder zu verbrennen, geht unsere Tour auf dem Fahrrad weiter. „Stellt’s die Räder dann einfach wieder her“, sagt der Mann vom Radverleih. Und schon geht es los. Dass in der Mittagssonne die eine oder andere Pause nötig ist, versteht sich von selbst. Da kommt der Klangweg gelegen. Seit knapp einem Jahr gibt es im Altmühltal das Erlebnis für die Ohren, ein Teil der Stationen steht am Radweg am Nordufer des Kanals, gleich gegenüber der Innenstadt.
Auf dem Schotterweg geht es weiter. Unter der Stabbogenbrücke durch, an idyllischen Altwässern vorbei. „Wo geht es denn hier nach Altmannstein“, fragt ein Radler, der aus Dietfurt kommt. Er wirkt etwas besorgt. Dass er auf dem richtigen Weg ist und nur bei Riedenburg ins Schambachtal abbiegen muss, hört er daher gern.
Abbiegen muss auch, wer zum Agathasee will. Das beliebte Badegewässer liegt am südlichen Kanalufer, bei der namensgebenden Kirche St. Agatha. Ein schattiges Plätzchen auf der Wiese ist nach der schweißtreibenden Radtour genau das Richtige. Nach kurzer Verschnaufpause lockt das Wasser. Erst langsam bis zu den Knien, dann mit einem Sprung hinein ins kühle Nass. Obwohl – so kühl ist das Wasser gar nicht, sondern richtig angenehm.
Ein paar Buben merken unterdessen nichts von der Hitze. Sie belagern den Holzsteg und nutzen ihn für immer spektakulärere Sprünge. Die Mädchen, mit denen sie an den See gekommen sind, bleiben auf ihren Decken liegen und schauen zu – teils interessiert, teils doch etwas gelangweilt.
Plötzlich schwebt ein Schatten über den See. Ein Drachenflieger, der wohl von der Rampe in Jachenhausen gestartet ist, gleitet auf unsichtbaren Luftströmen durch das Tal. Einem der Jugendlichen kommt eine Idee. „Sommerrodelbahn“, ruft er. Und alle verstehen ihn sofort. Kaum einen Steinwurf vom See entfernt liegt die Anlage – die perfekte Gelegenheit für den kleinen Nervenkitzel. Allzu weit rauf führt die Strecke nicht. Ohne zu bremsen kommt hier aber niemand runter. Und auch die Zeit vergeht wie im sprichwörtlichen Fluge. Zeit fürs Abendessen, am besten im Biergarten. Also wieder rauf auf die Räder und zurück nach Riedenburg. Hier klingt der Abend bei einer Halben und einer Brotzeit gemütlich aus. Stefan Janda
In der kommenden Woche geht es an die Donau. Wir besuchen das Schloss Grünau und informieren uns im Auenzentrum über die Natur entlang des Stromes.
Von Ruth Stückle