05.07.2012 | 19:38 Uhr
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Atemberaubende Fingerfertigkeit

Eichstätt Eichstätt (DK) Der große Eichstätter Konzertsaal im Alten Stadttheater zeichnet sich nicht durch besondere Schönheit aus, aber er hat eine bestechend gute Akustik. Auf der schmucklosen Bühne stehen nur zwei Stühle: Der eine dient als Ablage für ein kleines tragbares Mikrofon, auf dem anderen nimmt der „Gitarrengott“ Eliot Fisk, wie ihn ein amerikanischer Kritiker genannt hat, Platz, ausgestattet mit einem Instrument des US-Instrumentenbauers Steve Connor.

Eichstätt: Atemberaubende Fingerfertigkeit
Eliot Fisk konzentrierte sich auf iberische und lateinamerikanische Musik - Foto: Schneider
Um den trotz erheblicher Konkurrenz gut besuchten Saal (die Sängerin Garanca bei den Audi-Sommerkonzerten) zu verzaubern, braucht Fisk keine komplizierte Verstärker-Anlage, wie so mancher andere Gitarrist, die mit einem ganzen Elektrizitätswerk anrücken.

Mit knappen, in akzentfreiem Deutsch vorgetragenen Kommentaren führt der am Salzburger Mozarteum als Professor tätige Gitarrist durch das abwechslungsreiche Programm, das den Bogen spannt von Bach und Scarlatti (beide sind im gleichen Jahr 1685 geboren) bis zu Barrios (gestorben 1944) und Halffter (gestorben 1989). Gitarre wird ja landläufig mit Spanien identifiziert, so wundert es nicht, wenn die Programm-Schwerpunkte bei iberischen oder lateinamerikanischen Komponisten lagen.

Der aus Paraguay stammende Augustin Barrios war mit „3 Piezas“ vertreten, bei denen sich Tanzrhythmen mit ausdrucksstarker Schwermut verschwistern. Schon hier durfte Eliot Fisk seine atemberaubende Technik unter Beweis stellen, es wimmelt nur so von Arpeggios, Doppelgriffen und Tremolos. Ähnliches gilt auch für die ausgewählten Gitarren-Preziosen von Granados („La Maja de Goya“), Ernesto Halffter („Habanera“) und Albeniz (kleine Städte-Porträts von Sevilla, Cordoba und Granada). Ergänzt wurde das Programm durch sechs für das Cembalo komponierte Sonaten von Domenico Scarlatti, der ja auch am spanischen Hof tätig war, die Fisk selber für sein Instrument bearbeitet hat.

Aus seiner Feder stammen zudem die Adaptionen für die Gitarre von vier Capriccios op. 1 von Paganini, der bekanntlich auch ein hervorragender Gitarren-Virtuose war – „nicht ganz so leicht“, wie Fisk bescheiden formulierte.

Seine Stärke – neben der stupenden Fingerfertigkeit – ist nicht das schwelgerische Dahinschmelzen, sondern die überzeugende Struktur-Analyse eines Werkes, die er bei der Gitarren-Adaption von Johann Sebastian Bachs Suite C-Dur BWV 1009 unter Beweis stellen konnte; Bach selber hat so manches seiner Werke für die verschiedensten Solo-Instrumente bearbeitet.

Das begeistere Publikum erklatschte sich noch drei Dreingaben, die Fisk virtuos zupfend und den Rhythmus klopfend zum Besten gab. Besser als mit so einem Ausnahmekünstler hätten sich die Konzertveranstalter Alberts und Gottstein nicht von Pro Musica verabschieden können; in Zukunft wird die Abo-Reihe vom Regensburger Musik-Manager Andreas Meixner betreut werden.


Von Helmut Hawlata

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