Schlechte Noten für Audi und Mercedes
Ingolstadt Ingolstadt (DK) Ein ungewohntes Bild für Audi: Bei einem neuen Crashtest in den Vereinigten Staaten landete der A4 ganz hinten. Ebenso erging es Mercedes mit seiner C-Klasse. Das neue Testverfahren ist nicht unumstritten – trotzdem droht ein Image-Schaden auf dem hart umkämpften US-Markt.
Er nennt sich Small-Overlap-Crashtest und sorgt derzeit bei den deutschen Premium-Herstellern für Sorgenfalten auf der Stirn. Das renommierte Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) hat 13 Mittelklasse-Modelle mit dem neuen Verfahren getestet. Der Audi A4 sowie die Mercedes C-Klasse bekamen von vier möglichen die schlechteste Note „P“ (poor). Beim Audi öffnete sich die Tür, wodurch der Lenker zusätzlich gefährdet wird, beim Mercedes wurde der Fuß des Dummys eingeklemmt. Nur wenig besser erging es Volkswagen mit dem CC und BMW mit dem 3er – sie erhielten die zweitschlechteste Bewertung: „M“ (marginal). Ganz vorne landeten Acura (Honda) und Volvo.
Der Small-Overlap-Crashtest ist deswegen umstritten, weil es sich nach Angaben der Autohersteller um ein äußerst seltenes Unfallszenario handelt. Bei dem Test prallt ein Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 64 Kilometern pro Stunde nur mit dem vorderen Scheinwerfer (einem Viertel der Wagenfront) in ein stehendes Hindernis. Diese Aufprallsituation beansprucht die Autos völlig anders als die bisher maßgebliche Frontalkollision, der sogenannte Moderate-Overlap-Crash. Dabei krachen die Autos mittig versetzt (mit 40 Prozent der Frontfläche) gegen das Hindernis.
In einem für jedermann einsehbaren Video auf der eigenen Homepage erklärt IIHS-Chef Adrian Lund an einem zerstörten roten C-Klasse-Modell das Problem: Die meiste Kraft bei einem Frontalaufprall wird von der Sicherheitsstruktur in der Mitte der Fahrzeugfront absorbiert. Schlägt das Hindernis daneben ein, wird es für die Fahrer der Autos, die schlecht abschneiden, gefährlich.
Bislang habe der Fokus in der Entwicklung anders als bei diesem US-Test (Small-Overlap-Crashtest) bei Crashtests mit größerer Überdeckung gelegen, erklärt ein Audi-Sprecher. Er weist darauf hin, dass laut der Audi-Unfallforschung lediglich vier Prozent aller Frontalunfälle in Deutschland mit Todesfolge oder schweren Verletzungen dem neu eingeführten Crashtest entsprächen. Und auch das Ergebnis müsse man relativieren, so habe man beim Insassenschutz für Kopf, Brust und Füße gut abgeschnitten, nur im Bereich der Hüfte seien die Belastungen zu hoch. Trotzdem: „Wir nehmen das Thema ernst“, sagt der Sprecher. „Die Erkenntnisse werden in unsere Entwicklung einfließen.“
Der neue Test des IIHS soll eine Art Warnschuss für die Autohersteller sein, denn noch fließt das Ergebnis nicht in die Gesamtbewertung eines Fahrzeugs ein. Erst 2014 wird der Small-Overlap-Crash so wie jetzt schon beispielsweise der Überschlags- und Seitenaufpralltest bewertet – bis dahin wird der A4 seine Bestnote auf jeden Fall noch behalten.
Für Mercedes und Audi droht in den USA trotzdem ein Image-Schaden, denn das Testergebnis – auch wenn es noch nicht zur Gesamtwertung zählt – ist auf der Website des IIHS genauso einsehbar wie das Crashvideo. Besonders für Audi könnte das ein Problem werden, wollen die Ingolstädter doch endlich in den Staaten an Boden gewinnen.
Mit Unverständnis reagiert der ADAC auf das schlechte Abschneiden von Audi und Mercedes. „Seit etwa zwei bis drei Jahren ist das neue Testverfahren beim IIHS in Entwicklung“, erklärt der Bereichsleiter Fahrzeugsicherheit Volker Sandner unserer Zeitung. „Das war nicht geheim.“ Ein Auto für diesen Test zu verbessern sei „kein Ding der Unmöglichkeit“ – allerdings sei das mit Kosten verbunden, und mit einem höheren Fahrzeuggewicht (das viele Hersteller ja mit allen Mitteln senken wollen). Sandner befürchtet, dass sich der Test auf die US-Verkaufszahlen negativ auswirken wird.
Von Sebastian Oppenheimer
