17.08.2012 | 22:06 Uhr
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Liebenswürdiger Grantler

Ingolstadt Ingolstadt (DK) Am Wochenende ist er wieder in seinem Element. Helmut Dörfler, den alle nur „Heli“ nennen, ist Busfahrer beim FC Ingolstadt. Weil es sich zeitlich nicht lohnt und es ohnehin zu umständlich wäre, fliegt die Mannschaft nicht zum Pokalspiel beim VfR Aalen, sondern darf eine zweistündige Busfahrt genießen.

Ingolstadt: Liebenswürdiger Grantler
Helmut Dörfler weiß, wo’s langgeht: Der 60-Jährige fährt seit der Vereinsgründung den Mannschaftsbus des FC Ingolstadt - Foto: Roth
Genauer gesagt, geht es ja schon am Samstag los, dann folgen ein Training und eine Übernachtung ganz in der Nähe des Spielortes, damit die Anfahrt am Sonntag nicht so lange dauert. „Der Trainer sieht das Spiel wie ein Punktspiel. Also läuft auch alles so ab wie sonst“, sagt Dörfler.

Der „Heli“ ist wohl das, was man einen liebenswürdigen Grantler nennt. „Wenn einer vor mir wie a Hund fährt oder die Jungs ihren Abfall im Bus liegen lassen, kann ich schon sauer werden“, sagt der Busfahrer. Zum Glück hat der 60-Jährige für solche Fälle aber jemanden, der ihn dann beruhigt. „Bussi“, sagt Trainer Tomas Oral auf der ersten Bank rechts hinter ihm nur, „reg dich nicht auf.“

Seit der Vereinsgründung 2004 fährt Dörfler nun schon für den FC 04. Inzwischen in einem über 13 Tonnen schweren, fast 14 Meter langen und 440 PS starken Gefährt. 260 000 Euro kostet so ein Bus, der dann für fast den gleichen Betrag aber noch umgebaut werden muss. Statt 59 hat der FC-Bus dann nur noch 28 Sitz- beziehungsweise Schlafplätze, eine eigene Küche mit Mikrowelle, Steckdosen an jedem Platz, DVD-Player und eine Satelliten-Anlage. „Aber wenn die Jungs Krimis gucken wollen, ist Kopfhörer-Pflicht“, sagt Dörfler, „sonst meinst du auf dem Fahrerplatz, dir würden die Pistolenkugeln um die Ohren fliegen.“

Störungen, wenn er die Mannschaft pünktlich mindestens 75 Minuten vor dem Anpfiff im Auswärtsstadion abliefern muss, mag er nämlich gar nicht. „Ich habe schließlich einige Menschenleben zu verantworten“, sagt Dörfler. Ratschläge nimmt er dann nur noch von seinem Navigationsgerät an. „Ich versuche, genauso wie die Spieler, mein Bestes zu geben und – sagen wir es mal so – mag es durchaus, wenn man respektiert, dass ich rund 30 Jahre Berufserfahrung habe.“

In der Regel seien die Fahrten aber ohnehin sehr ruhig. „Der Trainer nutzt die Zeit für Videoanalysen, und die meisten Spieler beschäftigen sich ohnehin mit irgendwelcher Elektronik.“ Oder die bayerische Fraktion um Florian Heller, Leo Haas, Christian Eigler und Stefan Leitl spielt am Vierertisch hinten links eine Runde Schafkopf.

Überhaupt Leitl. Der Kapitän habe ihn mal gefragt, ob er nicht Namensschilder an die Plätze machen könne. „Heli“ hat einmal mehr seinen Charme spielen lassen und mit einem klaren Nein geantwortet. „Woher soll ich denn wissen, ob du nächste Woche überhaupt wieder dabei bist.“ Schon war das Thema erledigt.

 


Von Norbert Roth

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