In geheimer Mission
Ingolstadt (gst) In blauer Baseballkappe, weißem T-Shirt und grauen Shorts saß Ales Hemsky am Mittwochnachmittag auf der Spielerbank der tschechischen Inline-Hockey-Nationalmannschaft. Statt seinen schwitzenden Teamkameraden auf Inline-Skates in der Abstiegsrunde gegen Schweden aktiv zu helfen, sah der Kufenstar nur von der Bande aus zu.

Kufenstar außer Dienst: der tschechische Eishockey-Nationalspieler Ales Hemsky, der in der NHL für die Edmonton Oilers auf Torejagd geht. - Foto: oh
Schließlich hat der 28-jährige NHL-Stürmer im Viertelfinale gegen Deutschland noch munter mitgespielt. War ihm etwa die überraschende 5:6-Niederlage auf den Magen geschlagen? Nein, der Fall liegt ganz anders und hat mehrere Gründe.
Erstens tat Hemsky wohl seinem Vater Petr, der das Team coachte, einen Gefallen, zweitens wollte er sich die Abstiegsrunde wohl nicht antun und drittens ist sein Ausflug auf Rollen seinem Arbeitgeber Edmonton Oilers ein Dorn im Auge. „Sorry, ich will nicht über die Inline-Hockey-WM sprechen. Ich war verletzt, darum sieht man das in Edmonton nicht gerne, dass ich hier spiele. Da bekomme ich Ärger“, sagte Hemsky, der vor seinem Heimaturlaub erst seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hatte, um seinen großen Traum vom Stanley-Cup-Gewinn zu verwirklichen.
2006 stand er bereits einmal im Finale, doch damals siegten die Carolina Hurricanes im entscheidenden siebten Match. „Ich hoffe, ich bekomme noch einmal die Chance. Wir haben in der neuen Saison ein gutes Team“, sagte Hemsky.
Als dann mit dem 5:4-Sieg gegen Schweden nach dem Penaltyschießen der Klassenerhalt für das tschechische Team feststand und die Nationalhymne gespielt wurde, stand der NHL-Star artig auf, nahm die Baseballkappe ab und lauschte der Musik. Danach war für Hemsky, der im Viertelfinale gegen Deutschland mit allen Schussversuchen und selbst beim Penaltyschießen an DEB-Goalie Jochen Vollmer gescheitert war, die WM vorbei. Wie er Vollmer, das deutsche Team und die WM fand, das wollte Hemsky nicht sagen. Klar, er war ja eigentlich gar nicht hier.
Von Gottfried Sterner
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