Montag, 20. Mai 2013 |

 

08.06.2012 19:53 Uhr | 254x gelesen
    Drucken Text vergrößern

"Die WM war für uns phänomenal"


Bild:

Ingolstadt (DK) Eckard Schindler, der Inline-Hockey-Beauftragte im Deutschen Eishockey-Bund und Organisator der WM in Ingolstadt, lief am Donnerstagabend mit einem seligen Dauerlächeln durch die Katakomben der Saturn-Arena. Bei der 16. Weltmeisterschaft feierte die deutsche Auswahl mit der Silbermedaille den größten Erfolg der Geschichte.



Bild: Oliver Strisch
Herr Schindler, sind Sie ein bisschen traurig, dass sie die Heim-WM nicht vergolden konnten, oder glücklich über den erstmaligen Einzug ins Finale?

Eckard Schindler: Diese WM war einfach einmalig. Eine so tolle Atmosphäre, so viele begeisterte Zuschauer, das ist nicht zu toppen. Ich hatte vor dem Turnier insgeheim gehofft, dass wir dieses Mal das Finale erreichen, aber als ich das Niveau gesehen habe, hatte ich meine Zweifel. Für uns war das Ergebnis phänomenal. Auch für die Eishockey-Nationalspieler hat dieser Erfolg einen hohen Stellenwert.

 

Im Vorfeld war es schwierig für Sie und Bundestrainer Georg Holzmann, eine Mannschaft zusammenzustellen. Das Leistungsgefälle reichte vom National- bis zum Oberligaspieler.

Schindler: Das ist immer so. Das liegt daran, dass es nach der langen Eishockeysaison verletzungsbedingte Absagen gibt oder das Turnier nicht in die Urlaubsplanung der Spieler passt. Dass ein Spieler so fokussiert ist wie Thomas Greilinger, der seine Hochzeit extra so gelegt hat, um bei der Inline-WM dabei zu sein, ist die Ausnahme.

 

Also ist diese WM eine Freizeitveranstaltung?

Schindler: Sie hat einen Freizeitcharakter, aber die Spieler betreiben ernsthaften Sport. In erster Linie sind sie natürlich Eishockey-Profis, das ist ihr Beruf. Finanziell gibt es bei uns keinen Cent, im Gegenteil, die Spieler müssen Geld mitbringen und auf eigene Kosten anreisen.

 

Kann sich die Situation im Inline-Hockey verbessern, zum Beispiel durch eine größere Liga?

Schindler: Da müsste man Geld in die Hand nehmen. Die Hallen sind im Sommer sehr teuer, das können die Mannschaften nicht finanzieren. Außerdem sind die guten Eishockeyspieler nicht begeistert, wenn sie im Sommer auch noch weite Reisen machen sollen. Also muss das Ganze weiterhin einen lokalen Charakter haben. Wenn sich dann irgendwo die besten Teams zu einem Endturnier um die Meisterschaft treffen, ist es für die meisten Spieler auch genug.

 

Am Freizeitcharakter wird sich also nichts ändern?

Schindler: Da ist nicht so viel machbar. Wenn die Spieler Geld verdienen würden, wäre das wohl anders. Aber dann würde das Inline-Hockey seinen tollen Geist verlieren.

 

Trifft das auch auf die anderen Nationen zu?

Schindler: Das ist unterschiedlich. Nationen mit professionellen Eishockeyligen haben die gleichen Probleme. Verbände, die mehr Geld zur Verfügung haben, tun sich leichter. Russland und die Schweiz waren früher mal dabei. Frankreich und Italien spielen unter dem Dach der Rollsport-Föderation FIRS und nicht beim IIHF.

 

Stehen beide Verbände in Konkurrenz zueinander?

Schindler: Nein, das läuft eher parallel. Das Niveau ist nicht vergleichbar. In der FIRS sind keine guten Eishockeyspieler vertreten. Wenn man da einen Vergleich im deutschen Team machen würde, ginge der wohl 20 zu irgendwas für die IIHF-Mannschaft aus. Es gab mal den Versuch, beide Verbände zu vereinen. Aber die Grundbedingungen sind so verschieden, dass das nicht zusammenkommt. Die FIRS-Nationen haben nicht den Komfort wie wir und müssen alles selbst bestreiten.

 

Gibt es vom Eishockey-Weltverband ein Budget?

Schindler: Ja, die IIHF stellt für den Ausrichter 200 000 Schweizer Franken zur Verfügung. Damit muss dieser die Teilnehmer unterbringen und verpflegen. Die Anreise müssen die Länder selbst aufbringen.

 

In Deutschland scheint dieses Konzept zu funktionieren, weil die Inline-Hockey-WM im nächsten Jahr in Dresden hierzulande bereits zum siebten Mal ausgetragen wird.

 

Ingolstadt: "Die WM war für uns phänomenal"
 

Schindler: So häufig wie wir hat noch niemand eine WM organisiert. Es gibt aber auch nicht so viele Bewerber, weil man zwei Hallen braucht und 16 Umkleidekabinen für die Mannschaften. Da kommen auch in Deutschland nur drei oder vier Orte in Frage. Das ist nur in klassischen Eishockey-Nationen möglich. Australien, Bulgarien oder Japan wären nicht in der Lage, eine WM zu organisieren. Die sparen ein Jahr, um sich die Teilnahme überhaupt leisten zu können.

 

Wie sieht die Zukunft des deutschen Teams aus?

Schindler: Es kann schon sein, dass jetzt ein Schnitt kommt. Bundestrainer Georg Holzmann ist zu den gleichen Bedingungen dabei wie die Spieler. Der bekommt auch kein Geld und macht’s, weil er Spaß daran hat. Greilinger ist zwar eishockeyverrückt, aber auch schon über 30 und Wolf hat jetzt eine Familie, da ist vielleicht bald Schluss. Jetzt müssen wir eine neue Generation reinbringen.

 

Könnte der WM-Erfolg da helfen?

Schindler: Jein. So einen Knipser wie Wolf und ein solches Vorbild wird es wohl so schnell nicht mehr geben. Zusammen mit Greilinger bildet er ein Duo, mit dem weltweit wohl nur die Schweden Axelsson und Wessner, die Tschechen Vozdecky und Curik oder jetzt aktuell die Kanadier Hammond und Woods vergleichbar sind. Nein, wenn Greilinger und Wolf aufhören, sind sie nicht zu ersetzen. Insofern war die Chance auf den Titel in Ingolstadt einmalig.

 

Das Interview führte Gottfried Sterner.

 


Donaukurier
 
Mehr zum Thema

Drucken  Drucken Artikel weiterempfehlen  Empfehlen Artikel verlinken  Artikel verlinken

Wenn Sie diesen Artikel von donaukurier.de verlinken möchten, können Sie einfach folgenden HTML-Code verwenden:

 

Vorlesen  PDF speichern  Leserbrief schreiben   Leserbrief Kommentare lesen/schreiben  Kommentieren
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingelogged sein!
Benutzername  
Passwort      
Noch keinen Zugang?
Jetzt kostenlos registrieren!
Anmeldung über Cookie merken

 
 


Weitere Themen 
Inline-Hockey-WM punktet mit entspannter Atmosphäre